Das Genre der Rollenspiele
war früher eine Spielart, das auf Microsofts Videospielsystemen wenig
Beachtung gefunden hat. Mittlerweile ist das ein wenig anders geworden, denn
immer mehr Genrevertreter finden den Weg auf die Next-Generation-Konsole
Xbox 360. Einer der bekanntesten Spielhersteller in diesem Bereich ist ohne
Zweifel Square Enix. Die japanische Softwareschmiede bringt nun ein neues Game auf den deutschen Markt. Es handelt sich dabei um das Rollenspiel The
Last Remnant. Wir konnten uns in den letzten Tagen die fertige Xbox
360-Version ausgiebig ansehen. Ob sich das Spiel nicht nur für eisenharte
Genrefans lohnt, erfahrt Ihr in unserem Test.
Zum Spiel:
Wie bei Rollenspielen üblich, kommt auch The Last Remnant nicht ohne eine
Story aus. In uralten Zeiten wurden überall auf der Welt geheimnisvolle
Artefakte entdeckt. In ihnen steckte unermessliche Macht, weswegen sie bald
in die Hände einiger weniger Personen gerieten, deren Habgier und Machtlust
das zerbrechliche Gleichgewicht der Welt in Gefahr brachten. Eine mystische
Gestalt taucht auf, offenbar mit der Absicht, sie alle an sich zu reißen.
Gleichzeitig ist ein junger Mann auf der Suche nach seiner entführten
Schwester. Hängt Ihr Verschwinden mit dem Kampf um die mächtigen Artefakte
zusammen? Diese und noch viele andere Fragen werden in dem Spiel geklärt.
Bevor wir in die Haut des jungen Rush Sykes schlüpfen, wollen wir erst
einmal ganz von vorne anfangen. Nachdem das Spiel gestartet und diverse
Spieleinstellungen vorgenommen wurden, erscheint ein einführendes Intro mit
englischer Sprachausgabe und deutschem Untertitel. Dieser Film leitet das
Spiel und die Story passend ein und so starten wir recht motiviert in das
Abenteuer. Damit wir einen einfachen Einstieg erhalten, durchläuft der Gamer
zu Beginn einen kleinen Tutorialbereich. Hier werden uns das Spielprinzip
und die Steuerung in kleinen Schritten beigebracht. Kommen wir nun zum
Gameplay. Bei The Last Remnant handelt es sich um ein typisches
Japan-Rollenspiel. Naja evtl. nicht ganz typisch, denn wir agieren mit
mehreren Charakteren in einem Verband durch die Spielwelt. Es ist also nicht
möglich, während des Kampfes einzelnen Charakteren Befehle zu erteilen.
Diese Verbände bestehen aus bis zu fünf Kämpfern. Die Besonderheit hierbei
ist, dass die einzelnen Lebens- und Aktionspunkte in einem Kampf
zusammenfließen, wodurch sich ein gemeinsamer Wert ergibt. Das gilt
selbstverständlich auch für unsere LP-Leiste, die bei einem Angriff für den
ganzen Verband schrumpft. Es ist daher sehr wichtig, wie diese Verbände
zusammengestellt sind. Das gleiche gilt auch für unsere Gegner, die
ebenfalls in Verbänden agieren.
Auf einer Karte wird in einem Kampf gut dargestellt, wie die Feinde sich
formieren und wie sie sich in der Kampfarena verteilen. Wir legen nun unsere
Angriffe fest. Diese gilt für die komplette Gruppe und jeder Charakter führt
dann je nach seinen Möglichkeiten die Befehle aus. Schaffen wir dann einen
kritischen Treffer, so wird ein kleiner Quick-Time-Event gestartet. Drückt
Ihr jetzt zum richtigen Zeitpunkt die passende Taste, so wird noch mehr
Schaden angerichtet. Wir müssen in einem Kampf noch mehr machen. Schließlich
ist auch wichtig, welche Verbände auf welche Gegner losgelassen werden. So
sind dann Flankenangriffe möglich, die mehr Schaden anrichten wie normale
Angriffe. Über den aktuellen Status unserer aber auch der feindlichen
Einheiten gibt uns dann eine spezielle Anzeige Aufschluss. Wichtig ist auch
die Moralanzeige. Getrennt von einem Symbol wird ein blauer (unser) und
roter (feindlicher) Balken gezeigt. Das Symbol verschiebt sich nun je
nachdem, wer Schaden erleidet bzw. wer erfolgreich seine Angriffe angesetzt
hat. Gewinnen wir mehr Moral, so wird für die eigene Fraktion mehr Schaden
gelten gemacht bzw. unsere Wahrscheinlichkeit steigt, einen Spezialangriff
zu bekommen. So greifen wir nun mit diversen physischen aber auch magischen
Angriffen unsere Gegner rundenbasiert an, bis am Ende ein Kampf gewonnen
ist. Es folgt die obligatorische Punktevergabe, je nachdem wie wir gekämpft
haben. Der Spieler gibt also indirekt durch seinen angewendeten Stil vor, in
welche Richtung sich die Figuren entwickeln. Neben den Erfahrungspunkten
verdienen wir uns durch die Auseinandersetzungen auch noch Geld und
nützliche Objekte. Diese werden dann für die Figuren verwendet. Wir dürfen
sie einzeln ausrüsten und deren Ausrüstungen verbessern. Mit der Zeit werden
unsere Helden immer mächtiger und widerstandfähiger. Das ist dringend
notwenig, denn die Feinde werden das auch und so wird nur der Spieler weiter
kommen, der eine gut funktionierende und aufgebaute Truppe sein eigen nennt.
Ihr müsst allerdings nicht immer kämpfen. Wer einen Gegner nicht attackieren
möchte, der darf diesen auch umlaufen. Wie immer gibt es außerdem Städte.
Ihr findet in diesen Siedlungen viele gesprächsfreudige Leute die einträgliche Missionen für uns haben.
Außerdem dürft Ihr hier Euer hart verdientes Geld für nützliche
Erweiterungen ausgeben. Sind
wir ausgerüstet, kümmern wir uns um die nächste Mission und die
auftauchenden Gegner. Neben den Auseinandersetzungen, erkunden wir nun die Gegend,
erledigen Aufträge, bauen unsere Charaktere immer weiter auf und folgen der
Story. Diese wird immer wieder durch eingespielte Filme stimmungsvoll
vorangetrieben.
Technik:
Mit der Grafik kann man eigentlich ganz zufrieden sein. Die Charaktere
wurden gut modelliert bzw. animiert und an effektreiche Kämpfe hat der
Hersteller auch gedacht. Hinzu kommen dann noch genretypisch nette
Filmeinspielungen. Allerdings ist nicht alles Perfekt in dem Spiel. Leider
kommt es im Kampf ständig zu Slowdowns, was mit der Zeit ordentlich nervt.
Außerdem werden manche Texturen etwas spät geladen. Das hätte man eindeutig
besser machen können. Nett sehen dagegen die Städte aus. Hier pulsiert das
Leben und viele Figuren kreuzen unseren Weg. Allerdings wird das durch
ständiges nachladen erkauft. Um einiges besser hat uns der Sound gefallen.
Da wäre zum einen die stimmungsvolle Musik. Außerdem gönnt man uns gute
englische Synchronsprecher. Wer der Sprache nicht mächtig ist, der darf
alles über deutsche Texte nachlesen. Auf diverse passend eingespielte
Ingamegeräusche dürft Ihr Euch dann auch noch freuen. Sehr einfach ist die
Steuerung. Die Tasten wurden sinnvoll belegt und selbst mit den Menüs kommt
man schnell zurecht. Da ihr außerdem am Anfang einen ausführlichen
Tutorialbereich durchlauft, kann man recht schnell in das Spiel einsteigen. Der Schwierigkeitsgrad ist sehr angenehm. Am Anfang kann
man die Gegner recht einfach besiegen. Später werden aber diese immer
stärker. Haben wir allerdings eine ordentlich aufgebaute Truppe, so sollte
jeder Kampf gewonnen werden. Der Umfang ist ebenfalls beachtlich. Alleine
für die Hauptstory gehen schon gut 40 Stunden drauf. Hinzu kommen dann noch
etliche Nebenhandlungen, die noch einmal die gleiche Zeit in Anspruch nehmen.
Auch wenn es ein paar negative Punkte gibt, kann man grundsätzlich mit der
technischen Seite zufrieden sein.
Fazit:
The Last Remnant ist ein wirklich gutes Rollenspiel. Vor allem die Story und
das innovative Kampfsystem haben uns sehr gut gefallen. Endlich mal etwas
frischer Wind in dem doch angestaubten klassischen Rollenspielgenre.
Allerdings gibt es auch ein paar Punkte die massiv stören. Da wären zum
einen die Ruckelorgien im Spiel. Immer wieder stockt das Bild, was nicht
gerade nett aussieht. Auch auf die langen Ladezeiten hätte man verzichten
können. Zumindest werden wir durch eine gute Präsentation, effektreiche
Kämpfe und lange Spielzeit ordentlich entschädigt. Wer also auf
Japan-Rollenspiele steht und mit kleinen technischen Macken leben kann, der
darf bedenkenlos zuschlagen. The Last Remnant kann einen über Wochen am
Bildschirm binden und daher kann man das Spiel Genrefans ans Herz legen.
Allerdings solltet Ihr diese Art von RPGs mögen.
Features:
- Gute Grafik auf Basis der Unreal Engine 3 (keine vorgerenderten Szenen!)
- Erstes echtes Next-Gen-Rollenspiel von SE
- Emotionale Geschichte, epische Schlachten
- Weltweit simultaner Release