Nur noch ältere Spieler werden die Spiele der The Bard's
Tale-Reihe kennen. Vor über 15 Jahren
kamen gleich drei Teile auf den Markt. Jetzt haucht der kreative Kopf des
Originaltitels Brian Fargo dem Klassiker neues Leben ein. Entstanden ist ein spaßiges Action-Rollenspiel. Das Spiel The Bard´s Tale
wird übrigens von InXile entwickelt und erscheint für PlayStation 2, Xbox
und PC. Wir konnten jetzt die fertige Playstation 2-Version testen. Ob sich
die Anschaffung für Rollenspielfans lohnt, erfahrt Ihr in unserem Review.
Zum Spiel:
In dem Action-Rollenspiel The Bard´s Tale schlüpfen wir in die Rolle des
berüchtigten Barden. Der Held ist ein sarkastischer, opportunistischer
Musiker und Abenteurer der die weltlichen Gelüste den noblen Taten vorzieht.
Er interessiert sich nicht für die Rettung der Welt, sondern handelt so wie
es ihm gefällt. Bevor wir uns nun in das Abenteuer stürzen, sollten wir erst
einmal ganz von vorne anfangen. Nachdem das Spiel gestartet wurde, findet
sich der Spieler im Hauptmenü wieder. Hier erblicken wir die Menüpunkte
Neues Spiel starten, Spielstand laden, Optionen, Hilfe, Extras und
Mitwirkende. Wie gewohnt kann der Spieler unter Optionen alle
spielrelevanten Einstellungen vornehmen. Wer mehr über die Steuerung wissen
möchte, kann sich die Belegung des Controllers unter Hilfe ansehen. Unter
Extras findet Ihr dann noch nettes Hintergrundmaterial wie die
Bildergalerie, Songs und Videos. Ist ein Spielstand vorhanden dürft Ihr
diesen unter Spielstand laden aktivieren. Am Anfang bleibt uns natürlich
nichts anderes übrig, wie ein neues Spiel zu starten. Wie bei solchen
Spielen üblich, muss der Spieler erst einmal einen Charakter erstellen. Je
nach Schwierigkeitsstufe verfügt der Barde über unterschiedliche Attribute.
Diese werden in die Bereiche Stärke, Vitalität, Glück, Geschicklichkeit,
Charisma und Rhythmusgefühl unterteilt. Nun sollen wir 12 weitere Punkte auf
die unterschiedlichen Attribute verteilen. Hilfreiche Texte und eine
deutsche Synchronstimme erklären dabei alle Bereiche. Nachdem wir die
Attributstufe ausgewählt haben, geht es mit den Talenten weiter. Hier wird
einfach das Anfangstalent - wie z.B. das beidhändige Tragen von Waffen -
bestimmt. Unsere Spielfigur wird natürlich später die anderen Talente
ebenfalls erhalten. Nun kann endlich das Abenteuer beginnen. Ein
ansprechendes Intro mit deutscher Sprachausgabe leitet das Spiel passend
ein. Nun dürfen wir das erste Kapitel bestreiten. Wer mag kann hier ein
Tutorial aktivieren. Wir agieren bei dem Action-Rollenspiel in einer nicht linearen Welt. Der
Schauplatz von The Bards Tale befindet sich auf den Orkney Islands des
Mittelalters. Wir sollen in dem Spiel die Prinzessin Caleigh retten.
Klingt schon einmal so, als wenn man dieses unzählige Male gemacht hätte.
Stimmt wahrscheinlich auch, allerdings noch nie auf eine so witzige Weise.
Selten wurde ein Action-Rollenspiel mit so viel Humor ausgestattet. Vor
allem die Dialoge zwischen Sprecher und Held sind genial. Der
Sprecher lässt nämlich immer wieder Kommentare ab, die dem Helden nicht
passen. Dieser muss natürlich seinen Senf dazu geben und schon haben wir
einen schrägen Dialog. Ein Beispiel: Bewegt Ihr die Spielfigur mal eine Zeit
nicht, so erzählt der Sprecher: "Der Held heiratet eine Bäuerin, mistet
Ställe aus und zieht sechs Kinder groß." Das gefällt dem Barden natürlich
überhaupt nicht. The Bard´s Tale nimmt nicht nur sich, sondern auch andere
Vertreter des Genres auf die Schippe. Der Hersteller hat es nicht einfach
hingenommen, dass tote Tiere Waffen oder Gold ausspucken. Dieses wird
kurzerhand im Spiel gestrichen. Die ganzen Gespräche
wirken sich außerdem auf das Spiel aus. Oftmals habt Ihr die Möglichkeit
freundlich oder unfreundlich zu antworten. Hierdurch ergeben sich oftmals
kleine Nebenquests. Hin und wieder trällert Ihr auch mal
ein Lied mit betrunkenen Gästen oder plötzlich auftauchenden Wesen - durch
eine eingebaute Karaoke-Einlage. Neben den vielen Dialogen hat das Spiel
aber auch andere Sachen zu bieten. Kämpfe werden nicht nur mit der Waffe
ausgetragen. Auch mit den magischen Liedern des
Barden wird man einigen Schaden anrichten können. Mit seinem Musikinstrument kann der Held helfende Wesen beschwören. Diese kämpfen dann mit Euch oder sie unterstützen
die Spielfigur mit Heilung oder anderen Fähigkeiten. Stirbt ein Helfer, ist
das nicht ganz so schlimm. Man darf sie immer wieder herbeirufen. Wer das
nicht möchte kann auch selber zu unterschiedlichen Waffe greifen. Wie in
Rollenspielen üblich, erhaltet Ihr mit der Zeit einige Aufstiege. Hinzu
kommen neue Attribute und Fähigkeiten. Außerdem kann der Spieler in diversen
Läden neue Ausrüstungsgegenstände kaufen. Allerdings werden echte
Rollenspielfans vom Umfang ein wenig enttäuscht sein. Statt selber den
Helden auszurüsten, dürfen wir nur zusehen, wie dieser automatisch mit neuen
Waffen und Rüstungen bestückt wird. Nicht verwendete Waffen
werden dabei sofort in Geld umgewandelt. So agiert Ihr nun durch die
interessante Fantasywelt, kämpft gegen viele Gegner, löst diverse Aufgaben,
durchsucht alle wichtigen Objekte und hört vor allem den vielen witzigen
Dialogen zu.
Technik:
Die technische Seite ist leider nicht ganz so gut wie das Gameplay. Vor
allem die Grafik hätte besser ausfallen können. Die Texturen sehen viel zu
verwaschen aus und etwas detaillierter hätten sie auch sein können.
Zumindest hat der Hersteller auf viele kleine Details in den Levels
geachtet. Der Held selber wirkt ganz passabel, auch wenn seine Bewegungen nicht
sonderlich geschmeidig sind. Um einiges besser ist der Sound ausgefallen.
Vor allem die deutsche Lokalisierung haut einen fast vom Hocker. Neben den
hochqualitativen Gesprächen können auch die mittelalterliche Musik und die
Soundeffekte überzeugen. Die KI der Gegner ist leider mehr als
bescheiden. Diese verhalten sich äußerst dumm und so hat man kaum
Schwierigkeiten diese zu töten. Etwas problematisch ist auch die Kamera. Der
Spieler darf diese zwar frei drehen, allerdings bleibt der Blickwinkel
immer gleich. Unsere Spielfigur lässt sich sehr gut lenken. Alle Bewegungen
werden sicher ausgeführt. Selbst mit den
Menüs kommt man sofort klar. Fasst man nun alles
zusammen, so kann das Spiel technisch nicht ganz überzeugen. Da das Gameplay
aber stimmt, kann man großzügig über die kleinen Kritikpunkte hinwegsehen.
Fazit:
Eines kann man dem Spiel nicht abstreiten ... es ist urkomisch.
The Bard´s Tale wird man schon wegen
der Story und den tollen Dialogen bis zum Ende durchspielen. Selbst ein
erneutes anspielen lohnt sich, da sich durch die Antworten neue
Handlungsstränge ergeben. Rollenspielfanatiker werden das Spiel allerdings
mit gemischten Gefühlen betrachten. Zum einen bietet das Spiel nicht das,
was echte Genrefans erwarten. Ihr dürft z.B. nicht ausgiebig Eure Spielfigur
ausrüsten und optimieren. Dafür
veräppelt The Bard´s Tale das komplette Genre. Selbst Spieler die normalerweise keine
Rollenspiele anfassen werden sich köstlich amüsieren. Einzig bemängeln kann
man die Qualität der Grafik, die KI der Gegner und der spielerische Umfang
bzw. das minimalistische Inventarsystem. Der Hersteller hätte hier ruhig
mehr machen können. Wer also Rollenspielfanatiker ist, muss schon ein Auge
bei diesem Spiel zudrücken. Alle anderen werden mit The Bard´s Tale sehr
viel Spaß haben. Uns hat das Spiel sehr gut gefallen und daher können wir es
ohne Probleme zum Kauf empfehlen.
Features:
- Ein Action / Rollenspiel der neuen Generation welches bösartigen Humor und
clevere Persönlichkeit vereint. Vergessen Sie das klassische "Retten Sie die
Welt" - Unser Held ist nur an 2 Dingen interessiert...Geld und Lust!
- Die moderne Interpretation der Mutter aller Rollenspiele "The Bards Tale",
erschaffen von der Entwicklerlegende - Brian Fargo. Vater von The Bards
Tale, Baldurs Gate & Fallout.
- Eine intensive Rollenspiel-Erfahrung mit einem nicht linearen Gameplay.
Hoher Widerspielwert durch unvorhersagbaren Verlauf der Geschichte.
- Ein Gut / Böse Konversationssystem ermöglich dem Spieler die Interaktion
des Barden mit anderen Charakteren frei zu beeinflussen. Treffen Sie eine
Wahl und leben Sie mit den Konsequenzen.
- Führen Sie eine Gruppe von Gesetzlosen und Sonderlingen zusammen um den
Barden bei seinen Abenteuern zu unterstützen.
- Brilliante Grafik mit einer unglaublich lebendigen Umwelt. Eine
interaktive Stadt & Landbevölkerung, Originalmusik mit Gesang, Vögel, Tiere,
rauschende Wälder, wehendes Gras, plätschernde Gewässer...eine Welt die den
Spieler in ihren Bann zieht.
- Schauplatz sind die sagenumwobenen Orkney Islands. Die Inselgruppe vor der
Küste Schottlands galt schon immer als Stoff für unzählige Sagen und
Fantasy-Geschichten.
- Basierend auf der Next Generation Engine vom Snowblinds EverQuest:
Champions of Norrath.