Adventurefans dürfen sich freuen, denn ein
neuer Genrevertreter erblickt das Licht der Welt. Es handelt sich dabei um
das Anaconda/dtp-Spiel Overclocked: Eine Geschichte über Gewalt. Mit
Overclocked thematisieren die Adventure-Veteranen von House of Tales ein
ebenso archetypisches wie aktuelles Menschheitsproblem: Gewalt. Durch die
Thriller-Fiktion mit Erkenntnissen über reale Kriegspsychologie- und
Kriegssimulationsforschung könnte neuer Schwung in das Genre kommen. Die
Entwickler House of Tales wurden übrigens bekannt durch Spiele wie The
Moment of Silence und X-Files: The Deserter. Wir konnten uns jetzt das
neuste Point & Click-Adventure ausgiebig ansehen. Ob das Spiel in keiner
Sammlung fehlen sollte, erfahrt Ihr in unserem Review.
Zum Spiel:
Overclocked: Eine Geschichte über Gewalt ist ein klassisches Point &
Click-Adventure. Dementsprechend darf eine Story nicht fehlen. Fünf junge
Menschen werden orientierungslos, verängstigt, schreiend und ohne Gedächtnis
über das Stadtgebiet verstreut aufgefunden. David McNamara, ehemals
Nervenarzt bei der US Army, wird als Spezialist für forensische Psychiatrie
ins Hospital von Staten Island berufen und mit den rätselhaften Fällen
betraut. In behutsamen Sitzungen beginnt Dave, in den Erinnerungen der Kids
nachzuforschen. Der Spieler schlüpft nicht nur in die Rolle von McNamara,
der in der Gegenwart seine Untersuchungen betreibt, sondern übernimmt in
Rückblenden auch die Steuerung der fünf Patienten. Die Erinnerungen der
Patienten werden spielerisch erkundet, und zwar chronologisch rückwärts. Je
weiter McNamara dabei voranschreitet, desto tiefer dringt er in die
Vergangenheit vor und macht beängstigende Entdeckungen. Nachdem das Spiel
installiert und gestartet wurde, erscheint erst einmal ein einführendes
Intro. Stimmungsvoll und mit deutschen Synchronstimmen wird das Spiel
passend eingeleitet. Im Anschluss schlüpfen wir in die Haut von McNamara.
Die Steuerung ist recht einfach. Mit der Maus lenken wir unsere Spielfigur
durch die feststehenden Bilder. Jeder Ort muss nun von uns nach nützlichen Infos oder Gegenständen abgesucht werden. Damit wir nicht
das ganze Bild mit der Maus abgrasen müssen, gönnt uns der Hersteller eine
Hilfefunktion. Drückt Ihr die Space-Taste, so werden alle wichtigen Orte
durch Symbole kenntlich gemacht. Wir sehen also auf Anhieb, wo Übergänge
oder spielrelevante Objekte sind. Befinden wir uns nun mit der Maus auf
einer interessanten Stelle des Bildschirms, so drücken wir die linke
Maustaste und ein Aktionsmenü öffnet sich. Grafische Symbole zeigen jetzt
an, welche Interaktion möglich ist. Solange das Aktionsmenü aktiv ist, könnt
Ihr per Maus eine der angebotenen Aktionen wie ansehen oder Gegenstand
nehmen auswählen. Wichtige Objekte packt unsere Spielfigur genretypisch in
sein Inventar, wo wir es uns in aller Ruhe ansehen oder gegebenenfalls
benutzen können. Allerdings gibt es auch Gegenstände die wir direkt vor Ort
verwenden. Bestimmte Objekte sollen wir außerdem im Inventar
kombinieren, um z.B. aus zwei einzelnen Teilen einen neuen Gegenstand
herzustellen.
Wie bei Adventures üblich, treffen wir in dem Spiel jede Menge Leute. Es
folgen ausgiebige Dialoge, die uns wichtige Informationen, Hinweise oder
Aufgaben geben. Wahlweise werden uns verschiedene vorgegebene Themen
angeboten, aus denen wir das nächste Gesprächsthema bestimmen. Somit bekommt
der Spieler das Gefühl, das er selber die Dialogfolge beeinflusst. In
Abhängigkeit von der Spielsituation, der Tageszeit oder des Tages können bei
Gesprächspartnern neue Optionen hinzukommen oder völlig neue Gespräche aktiv
werden. Es kann sich also lohnen, zu Personen zurückzukehren um noch einmal
eine Unterhaltung zu führen. Zum Handwerkszeug eines Psychiaters gehört in
heutiger Zeit ein PDA, das alles aufzeichnet was wichtig ist. Außerdem kann
man damit telefonieren, E-Mails empfangen und Sitzungen aufzeichnen. Wir
werden in dem Spiel allerdings nicht nur in die Haut des Psychiaters
schlüpfen. Insgesamt gibt es sechs spielbare Charaktere. Neben David wären
das u.a. die Patienten Laura Fawcett, Cliff Mandrake, Ray Thornton und
Victoria Montgomery. Durch unsere spezielle Untersuchungsmethode versuchen
wir herauszufinden, was mit den Jugendlichen passiert ist. Die Charaktere
sind übrigens sehr charismatisch. Jede hat eine andere Geschichte und
Persönlichkeit. Wir versuchen durch diverse Tricks die Erinnerungen zu
wecken. Schaffen wir das, so schlüpfen wir in die Haut dieses Charakters und
erleben deren Geschichte. Mit dem erworbenen Wissen konfrontieren wir dann die
anderen Patienten, wodurch wir immer tiefer in die Story eintauchen. Da wir
durch die interessante Erzählstruktur die Geschichte rückwärts aufrollen,
der Film-Hit Memento lässt grüßen, kommt ein weiterer Vorteil auf. Wir
wissen meistens schon im Vorfeld, wofür ein Objekt gebraucht wird. Somit
sind die meist einfachen Rätsel kein wirkliches Problem für uns. Das
bedeutet allerdings noch lange nicht, dass alles logisch ist. Oftmals
ertappt man sich dabei, wie man über aktuelle Situationen die Stirn runzelt.
Das sind allerdings Momente, die Adventurefans öfters in solchen Spielen
erleben. Mit der Zeit werden die Rätsel dann immer weniger, denn im späteren
Spielverlauf werden mehr Filme anstatt Aufgaben eingestreut. Dennoch ist das
Gameplay sehr flüssig und durch die spannende Erzählform wird man sowieso an
den Bildschirm gefesselt. So agieren wir nun mit den unterschiedlichen
Charakteren durch die diversen Locations, untersuchen diese nach
spielrelevanten Orten bzw. Gegenständen, lösen kleinere Rätsel, folgen der
Story und führen vor allem viele interessante Gespräche.
Technik:
Die Grafik von Overclocked ist ganz in Ordnung, auch wenn sie einen nicht
vom Hocker haut. Wir agieren zum einen in wirklich gut gestalteten und
detailreichen Hintergrundbildern, in denen es jede Menge zu entdecken gibt.
Diverse Licht- und Schatteneffekte erfreuen unser Auge und so agiert man
recht gerne in den Räumen. Etwas schlechter sehen die Animationen aus. Hier
werden wir sehr hölzerne Bewegungen erblicken, die zum Teil wirklich
erbärmlich aussehen. Zumindest werden wir durch die guten
Gesichtsanimationen ein wenig entschädigt. Viel besser hat uns der Sound
gefallen. Neben einer stimmungsvollen Musik lauschen wir auch vielen passend
eingespielten Ingamegeräuschen. Hierdurch wird ein wirklich ansprechendes
Ambiente erschaffen. Hinzu kommen die guten Synchronsprecher, die den
Charakteren mächtig Leben einhauchen. Die Sprecher passen einfach zu den
Personen. Die Steuerung ist kinderleicht. Mit der Maus kann man alle
Aktionen sicher ausführen und durch eine praktische Hilfefunktion, braucht
man auch nicht jedes Bild haarklein nach wichtigen Orten absuchen. Selbst
das agieren im Inventar klappt auf Anhieb. Der Schwierigkeitsgrad ist ebenfalls in Ordnung.
Die Rätsel sind nicht zu schwer und so werden selbst Anfänger an diesen
nicht scheitern. Leider gibt es aber ein paar Logikfehler, die allerdings in
dem Genre schon fast normal sind. Fasst man nun alles zusammen, so kann man
insgesamt mit der technischen Seite sehr zufrieden sein.
Fazit:
Overclocked: Eine Geschichte über Gewalt ist endlich mal ein etwas anderes
Point & Click-Adventure. Der Hersteller hat es verstanden, mit einer extrem
interessanten Erzählstruktur, den Spieler an den Bildschirm zu fesseln. Vor
allem die Charaktere wurden erstklassig ausgearbeitet. Jeder hat eine andere
Persönlichkeit, die im Spiel voll zur Geltung kommt. Selbst unser
Hautcharakter kann auf eine bewegende Hintergrundgeschichte blicken. Nett
sind auch die interessanten Rätsel, die kaum einen Spieler überfordern. Gut
Leben kann man ebenfalls mit den realistisch ausgearbeiteten Umgebungen, die zu
ausgiebigen Erkundungstouren einladen. Das Prunkstück sind aber die vielen
packenden Gespräche und die toll inszenierte Präsentation. Man wird dadurch
förmlich am Monitor kleben. Allerdings müssen wir auch erwähnen, dass
nicht alles Perfekt ist. So sind die Charaktere selber nicht immer optimal
animiert und modelliert worden. In der heutigen Zeit erwartet man doch ein
wenig mehr von so einem Spiel. Etwas schade ist auch, dass die Rätsel mit
der Zeit immer weniger werden. Nach einer gewissen Zeit gleitet das Spiel
sehr storylastig ab, was gerade Fans von klassischen Adventurespielen aufstoßen
könnte. Auch bei der Logik hätte man einiges besser machen können. Etwas
enttäuschend ist auch das Ende, auf das wir jetzt nicht näher eingehen
wollen. Trotz kleiner Kritikpunkte ist und bleibt Overclocked ein tolles
Adventurespiel. Wer ansatzweise
Psycho-Thriller-Spiele mag, der muss hier einfach zuschlagen.
Features:
- Hochspannung in einem verstörenden Psychothriller
- Point & Click-Adventure mit ungewöhnlichem Gameplay
- Hochbrisante Story, chronologisch invers erzählt
- sechs einzigartige, spielbare Charaktere
- Detaillierte und liebevoll animierte Schauplätze
- Hochwertige Sprachausgabe mit bekannten Stimmen aus Film und Fernsehen
- Edle 3D-Grafik inkl. aufwändiger Wetter-, Licht- und Mimikeffekte