Eines der größten, populärsten und
bekanntesten Rollenspiele ist ohne Zweifel Neverwinter Nights. Als das Spiel
im Sommer 2002 auf den deutschen Markt kam, bildete sich sofort eine große
Fangemeinde. Dazu haben auch die beiden Erweiterungen "Schatten von Undernzit" (2003) und "Die Horden des
Unterreichs" (2004) beigetragen. Auch diese staubten viel Lob und gute
Bewertungen ab. Anschließend wurde es Still um das Spiel. Das änderte sich
erst, als der offizielle Nachfolger - mit dem passenden Titel Neverwinter
Nights 2 - angekündigt wurde. Dieser spielt natürlich ebenfalls in den
beliebten Forgotten Realms von Dungeons & Dragons. Wir konnten uns das
neuste Atari-Spiel jetzt genauer ansehen. Ob das Rollenspiel die hohen
Erwartungen erfüllen kann und ob sich eine Anschaffung lohnt, erfahrt Ihr in
unserem Review.
Zum Spiel:
Rollenspieltypisch kommt auch Neverwinter Nights 2 nicht ohne eine
Rahmenhandlung aus. Wir agieren selbstverständlich in der Fantasy-Welt der
Vergessenen Reiche, einer der beliebten Kampagnenwelten von Dungeons &
Dragons. Die Handlung führt uns von einem der kleinsten Dörfer durch
eine atemberaubende Geschichte und berichtet dabei von unserem Aufstieg vom
einfachen Bauern zum ausgewachsenen Helden, der seine Heimat gegen eine der
größten Bedrohungen des Zeitalters verteidigt. Bevor wir uns allerdings den
Gefahren stellen, wollen wir erst einmal ganz von vorne anfangen. Nachdem
das Spiel installiert und gestartet wurde, erscheint ein einführendes Menü.
Hier finden wir die Menüpunkte "Spielen", "Toolset", "Liesmich" und
"Update". Wie man es schon vermuten kann, darf der Spieler unter Update nach
Verbesserungen suchen und unter Liesmich eine informative Textdatei ansehen.
Daneben gibt es noch das Toolset. Mit diesem kann man recht schnell eigene
Module erstellen. Durch mehr Einstellmöglichkeiten und Features wie
Skriptparameter hat der Akteur noch mehr Möglichkeiten als je zuvor um
Welten und Szenarios zu erschaffen. Die meisten werden sich allerdings erst
einmal auf das eigentliche Spiel stürzen. Nachdem man auf den Menüpunkt
Spielen geklickt hat, folgt das eigentliche Hauptmenü mit den Punkten "Neues
Spiel", "Spiel laden", "Mehrspieler" und "Optionen". Wie gewohnt kann man
unter Optionen alle spielrelevanten Einstellungen vornehmen und unter Spiel
laden einen bestehenden Spielstand aktivieren. Wer nicht gerne alleine
spielt, sollten in den Mehrspielerbereich wechseln. Hier hat man die
Möglichkeit, mit anderen Menschen weltweit online zu spielen. Neben dem
Internetspiel darf man auch über LAN mit anderen ein gemeinsames Spiel
wagen. Wer jetzt ein ähnliches Gameplay erwartet wie bei WoW, den müssen wir
leider enttäuschen. Der Mehrspielerbereich ist zwar ganz nett, aber er kommt
nicht an die Klasse bekannter Onlinerollenspiele heran. Vorher solltet Ihr
außerdem den Einzelspielermodus durchspielen. Schließlich muss man das Game
erst einmal richtig kennen lernen. Im Singelplayerbereich dürft Ihr zum
einen ein Modul starten oder eine neue Kampagne beginnen. Bevor wir uns in
die virtuelle Welt begeben, muss allerdings erst einmal eine Spielfigur
erstellt werden.
Beim erstellen eines Charakters wird zuerst ein Volk bestimmt. Das Spiel
bietet acht Hauptvölker (wie z.B. Zwerg, Elf, Gnom oder Mensch) und 16
Unterarten, aus denen wir frei wählen können. Wenn der Akteur z.B. das Volk
Berührte auswählt, wird er aufgefordert, zwischen den Unterarten Assimar und
Tiefling zu wählen. Übrigens hat jedes Volk seine eigenen Unterarten,
wodurch sich nur bestimmte Kombinationen ergeben. Nachdem wir das Geschlecht
bestimmt haben, muss noch das Aussehen verändert werden. Vom Gesicht, über
die Hautfarbe bis hin zu den Haaren ist alles möglich. Der dritte Schritt
ist dann die Auswahl der Klasse. Gut 30 unterschiedliche bietet das Spiel
und so können wir aus unserem Charakter z.B. einen Paladin, Schurken, Magier
oder Kämpfer machen. Das war natürlich noch nicht alles. Jetzt muss der
Spieler die Gesinnung festlegen. Diese spiegelt unsere Moral und Ethik
wieder. Nachdem wir dann eine Gottheit gewählt haben, müssen noch
Attributwerte verteilt werden. Jetzt ist immer noch nicht Schluss, den
unsere Figur braucht noch eine Hintergrundgeschichte. Schließlich hat dieser
eine Vorgeschichte, wir z.B. das er ein einfacher Bauer oder ein Mitglied
der Miliz war. Jedes Hintergrundmerkmal bietet einen speziellen Bonus und
beeinflusst, wie wir von den Einwohnern von Westhafen behandelt werden.
Nachdem wir dann noch ein Paket mit Fertigkeiten, Talenten und Zaubern
zugewiesen haben, brauchen wir nur noch einen Namen eingeben und unsere
Stimme bestimmen. Ihr seht schon, dass wir vieles einstellen können.
Selbstverständlich bietet das Spiel immer passende Hilfen an und so kann man
sich ausreichend in die einzelnen Bereiche einlesen. Wer dazu keine Lust
hat, darf auch einen Charakter automatisch generieren. Sind wir nun mit
unseren Vorbereitungen fertig, darf das Spiel endlich beginnen.
Am Anfang durchlaufen wir erst einmal ein kleines Tutorial, das uns in
kleinen Schritten die Steuerung beibringt. Dank praktischen Übungen hat man
die Lenkung schnell erlernt und so kann man direkt in das Spiel einsteigen.
Gesteuert wird unsere Spielfigur mit der Maus oder wahlweise mit der
Tastatur. Nach den ganzen Übungen ist unser Held natürlich müde und so geht
er erst einmal schlagen. Allerdings wird er aus seiner Nachtruhe geweckt,
denn wilde Horden greifen unseren Heimatort Westhafen an, um einen
geheimnisvolle Splitter zu bekommen. Also schnappen wir unser Schwert und
erledigen die Eindringlinge. Dabei werden wir immer wieder kleine
Filmeinspielungen sehen. Diese treiben die Story gut voran. Die erzählte
Geschichte ist übrigens nicht nur recht spannend, sondern bietet auch
oftmals überraschende Wendungen. Was genau, wollen wir Euch jetzt nicht
erzählen. Schließlich soll das Spiel diesbezüglich interessant bleiben.
Hinzu kommen dann noch viele deutschsprachige Dialoge, deren Reihenfolge wir
durch anklicken bestimmter Sätze beeinflussen können. Durch diese Gespräche
werden wir übrigens auch neue Charaktere kennen lernen, die sich teilweise
unserer bis zu 4 Mann staken Gruppe anschließen. Grundlegend muss der
Spieler nicht die Hauptstory verfolgen. Das Spiel bietet daneben viele
Nebenhandlungen und Aufgaben, die uns immer wieder vor neuen
Herausforderungen stellen. Unsere Gruppe ist übrigens sehr lebendig, denn
ständig gibt es irgendwelche Gespräche, Streits oder Diskussionen. Hierbei
erzählt jeder Charakter seine ganz eigene Geschichte. Dank eines
Beeinflussungssystems können wir unsere Mitstreiter auch manipulieren. Das
kann so weit gehen, dass wir diese zu Feinden machen oder zu unseren besten
Freunden.
Immer wieder trifft unsere Gruppe auf Feinde. Hieraus folgen unweigerlich
Kämpfe, die selbstverständlich nach dem Dungeons & Dragons-Regelwerk
ablaufen. Mittels Trefferquoten und Schadensberechnungen wird der Sieger
ermittelt. Wir sehen davon nur Zahlenwerte und Schläge, die leider etwas
statisch rüberkommen. Wirklich chaotisch laufen die Auseinandersetzungen
dann auch nicht ab, denn man darf das Spiel pausieren und die nächsten
Schritte sorgsam planen. Sind Gegner dann besiegt, lassen sie oftmals
genretypische Objekte oder Geld zurück. Dieses sacken wir uns ein und rüsten
unseren Charakter gegebenenfalls mit nützlichen Waffen oder Rüstungen aus.
Daneben darf man mit Händler auch Handel betreiben. Hierdurch erhalten wir
ebenfalls nette Summen, die wir in Objekte oder andere nützliche Gegenstände
investieren können. Durch unsere Handlungen erhalten wir auch
Erfahrungspunkte, die Aufstiege für unseren Charakter mit sich bringen.
Allerdings ist nicht alles in dem Spiel üppig ausgefallen. So darf man nur mit bestimmten
Leuten ausführliche Gespräche führen. Alle anderen speisen uns mit einem
kleinen Satz ab. Hinzu kommt, dass unser Held nur bestimmte Gebäude betreten
darf. Hierdurch werden uns ausgiebige Erkundungstouren untersagt. Nett ist
dann noch, dass wir eine Festung bekommen. Diese sollen wir ausbauen und
Verteidigungsanlagen errichten. Läden und Handelsrouten fehlen ebenso wenig
und so kann man sich hiermit eine ganze Zeit lang beschäftigen. Das gleiche
gilt für das Erstellen von Gegenständen. Mit dem passenden Talent, einem
Rezept und den nötigen Zutaten entstehen schnell leckere Tränke, Rüstungen
oder Waffen. So agieren wir nun in der virtuellen Welt, verfolgen die
interessante Story, lösen Aufgaben, kämpfen gegen unzählige Gegner,
kommunizieren mit Leuten und verbessern die Fähigkeiten unseres Charakters.
Technik:
Neverwinter Nights 2 hat neben vielen Spielinhalten auch eine neue Grafik
erhalten. Diese haut einen zwar nicht vom Hocker, dennoch kann man sich gut
in der Spielwelt aufhalten. Unterschiedliche Landschaften mit netter
Vegetation sind genauso vorhanden, wie Häuser mit schön ausstaffierten
Innenräumen. Allerdings hätten die Texturen ruhig etwas schärfer ausfallen
können. Ein paar Details mehr wären auch ganz nett gewesen. Zumindest hat
man aber an aufwendig inszenierte Licht- und Schattenspiele gedacht. Etwas
störend ist dann noch, dass wir uns eigentlich immer in engen Schläuchen
aufhalten. In der heutigen Zeit erwartet man doch etwas mehr. Ein weiterer
Kritikpunkt ist außerdem noch, dass die Spielwelt sehr leblos ist. Das gilt
jetzt für die Out- aber auch für die Indoorbereiche. Entschädigt wird man
allerdings durch viele kleine Effekte, die zum Teil ein kleines
Grafikfeuerwerk auf den Bildschirm zaubern. Nett sind auch die Spielfiguren,
die gut modelliert wurden. Diese haben sogar bewegliche Mimiken und so sieht
man ihnen gerne bei den Gesprächen zu. Bei den Animationen hätte man
allerdings mehr rausholen können. Gerade bei den Kämpfen
sieht man sehr staksige Bewegungen. Die wahre Grafikpracht werden wir
außerdem nur erblicken, wenn wir einen leistungsstarken Rechner besitzen.
Haben wir diesen nicht, so müssen wir die Einstellungen runter nehmen oder
mit üblen Rucklern leben. Gut ist dagegen der Sound. Neben passenden
Ingamegeräuschen, dürfen wir auch einer angenehmen und stimmungsvollen Musik
lauschen. Diese wird selbst nach Stunden nicht nervig. Hinzu kommen tolle
deutsche Synchronsprecher, die ihre Arbeit wirklich gut machen. Die Kamera
ist ebenfalls in Ordnung. Diese variieren zwischen diversen Totalansichten
und Third-Person-Perspektiven. Da wir den Blickwinkel dann noch selber
beeinflussen können, hat man stets alles im Blick. Mit der Steuerung kommt
man schnell klar. Die Spielfigur macht eigentlich alles, was wir ihr sagen.
Hinzu kommen gut sortierte und nicht überladene Menüs. Dank eines gut gemachten
Einführungsbereichs werden wir alle Funktionen
schnell erlernen. Die KI ist leider
genretypisch mager. Wirklich intelligente Aktionen werden wir leider nicht
erblicken. Fasst man alles zusammen, so kann man grundlegend mit der Technik
zufrieden sein.
Fazit:
Grundsätzlich hat uns Neverwinter Nights 2 recht gut gefallen. Allerdings
gibt es auch ein paar Punkte die stören. Zum einen nervt das etwas veraltete
Levelbaukastenprinzip. In der heutigen Zeit erwartet man eindeutig mehr von
einem Rollenspiel. Hinzu kommt, dass viele Abschnitte sehr klein
ausfallen. Nett wäre auch gewesen, wenn der Spieler mehr
Häuser betreten könnte. Da diese aber oftmals unzugänglich sind, macht das
Erkunden der Welt nicht wirklich Spaß. Obwohl wir eine eher
durchschnittliche Grafik zu sehen bekommen, sind die Performance-Ansprüche
an unseren Rechner recht hoch. Zumindest werden wir viele bombastische
Effekte erblicken, die dieses ein wenig erklären. Allerdings ist nicht alles
schlecht. Es gibt auch viele gute Seiten. Die Story ist einfach nur toll.
Diese ist nicht nur spannend, sondern dank überraschenden Wendungen auch
sehr unterhaltsam. Hinzu kommen viele interessante Dialoge. Nett ist auch, dass wir unseren Helden in jegliche
Richtung weiterentwickeln dürfen. Dadurch ergeben sich viele spielerische
Möglichkeiten. Ganz in Ordnung sind auch die Aufgaben und Quests. Diese sind
immer wieder unterschiedlich und so kommt nur selten Langeweile auf. Das
Kämpfen macht ebenfalls Spaß. Wir hauen nicht nur einfach auf unsere Gegner
drauf. Dank eines taktischen Kampfsystems dürfen wir jeden Gegner
individuell bekämpfen. Das war natürlich noch nicht alles.
Begeistert hat uns auch unsere Party, die aus vielen unterschiedlichen
Charakteren besteht. Mit diesen können wir sogar interagieren. Da wir dann
noch Tränke, Rüstungen oder Waffen herstellen dürfen, wird man jede Menge zu tun
bekommen. An Spieler, die etwas mehr machen wollen, hat der Hersteller auch
gedacht. Mit dem mitgelieferten Editor kann jeder ganz eigene Abenteuer
erstellen. Wer also das beliebte Konzept des Vorgängers mochte und eher
klassische Rollenspiele bevorzugt, der wird mit Neverwinter Nights 2 sehr
glücklich werden. Uns hat das Rollenspiel trotz kleinerer Kritikpunkte gut
gefallen und daher können wir das Spiel auch zum Kauf empfehlen.
Features:
- Konstruktion von MODs
- Kontrolliere 4 Personen und 10 Begleiter
- Präsenz von Festungen & politischer Macht
- Lebensspanne umfassende Einzel-Kampagne
- Hohes Niveau an Grafiken
- Ausrichtung: Good & Evil
- Mehrspieler Modus
- Eintauchtiefe (Tag/Nacht-Zyklus, Wasser, Klima,...)
- Episches Abenteuer (Handlung,...)
- Neverwinter Nights Markenerbe
- Charakterentwicklung
- Auch in zwei limitierten Version "Lawful Good" und "Chaotic Evil"
erhältlich