Aktuell können
Rollenspielfans nicht gerade aus dem vollen Schöpfen. Wirklich viele Games
aus dem doch recht beliebten Genre kann man leider nicht für Microsofts
Next-Gen-Konsole kaufen. Allerdings bedeutet das nicht, dass keine Spieler
mehr veröffentlicht werden. Jetzt ist es mal wieder soweit, denn über Koch
Media kommt das Spiel Infinite Undiscovery in den deutschen Handel. Es
handelt sich dabei um ein Rollenspiel von tri-Ace, die bekannt wurden durch
Spiele wie Star Ocean oder Valkyrie Profile. Wir konnten das exklusive Xbox
360-Spiel jetzt ausgiebig testen. Ob sich eine Anschaffung lohnt, erfahrt
Ihr in unserem Test.
Zum Spiel:
Ganz grundlos werden wir natürlich nicht auf unsere Gegenspieler gehetzt.
Eine kleine Story ist auch bei Infinite Undiscovery vorhanden. Seit uralten
Zeiten glauben die Menschen daran, dass der Mond der Sitz der Götter ist,
und nutzen seine Energie, um ihren Wohlstand zu fördern. Eines
schicksalhaften Tages fesselte der "Orden der Ketten" den Mond an die Erde.
Die Menschen lebten von nun an in Furcht vor dem Orden und seinem Anführer,
den sie den Schreckensritter nannten. Unsere Geschichte nimmt ihren Anfang
in einem Gefängnis, das vom Orden der Ketten bewacht wird. Ein Junge namens
Capell wird dort zu Unrecht festgehalten, da man in ihm einen Volkshelden
vermutet. Nicht ganz zu Unrecht: Ohne sein Wissen ist er es, dem es bestimmt
ist, das Schicksal der Welt in neue Bahnen zu lenken. Das ganze Spiel wird
selbstverständlich durch unzählige Filme zusammengehalten und so agiert man
eigentlich hoch motiviert durch die virtuelle Welt. Wir schlüpfen in dem
Spiel natürlich in die Haut von Capell der nun diverse Abenteuer bestehen
muss. Bevor es allerdings losgeht, wollen wir erst einmal ganz von vorne
anfangen. Nachdem das Spiel gestartet wurde, wird ein einführendes Intro
gezeigt. Dieses leitet das Spiel stimmungsvoll ein. Es folgt das
obligatorische Hauptmenü, wo wir neben den Optionen auch in das Spiel
gelangen. Zu Beginn müssen wir notgedrungen ein neues Game starten. Dazu
darf man zwei Schwierigkeitsgrade auswählen. Es folgt ein weiterer Film in
Ingamegrafik. Nach einem etwas missglückten Ausbruchsversuch schlüpfen wir
nun in die Rolle des Helden Capell. Bevor wir allerdings die ersten Gegner
niederstrecken, wird uns die Steuerung über kleine Bilder ausgiebig erklärt.
Wir müssen leider erwähnen, dass das Game nicht übersetzt wurde. Die Menüs,
die Sprachausgabe und alle Texte werden in englischer Sprache eingeblendet.
Eine deutsche Übersetzung gönnt man uns also nicht. Kommen wir nun zum
Gameplay. Wir agieren mit unserer Spielfigur und seinen Begleitern in recht
linearen Umgebungen. Diese sollen wir nun erkunden, um zum Beispiel nützliche
Kisten - die uns Extras einbringen - zu finden. Daneben finden wir hin und
wieder auch Speicherpunkte, die man zum sichern des Spielstandes nutzt. Das
war bei weitem noch nicht alles. Haben wir im Spielverlauf Zutaten oder
Material eingesammelt, so kann man neue Waffen oder Rüstungen schmieden,
nützliche Tränke herstellen oder neue Musikstücke schreiben. Diese darf man
dann auf einer Flöte abspielen um z.B. Passagen oder Schatztruhen sichtbar
zu machen. Außerdem hat die Musik Auswirkungen auf Feinde und unsere
Verbündeten.
Neben den Erkundungstouren sollen wir außerdem diverse Aufgaben meistern.
Der Hersteller schöpft hier aus dem Vollen, denn Eskortierjobs warten
genauso auf uns, wie Schleichpassagen oder die Flucht vor gigantischen
Gegnern. Dabei werden wir es genretypisch mit vielen unterschiedlichen
Feinden und Fallen zu tun bekommen. Diese sorgen dann nicht nur dafür, dass
wir unsere Lebensleiste einbüßen. Auch Zustandsveränderungen müssen wir in
Kauf nehmen. Diese werden übrigens sehr realitätsnah dargestellt. Werden wir
z.B. verwirrt, so wirkt sich das auf unsere Steuerung aus. Daneben soll der
Spieler noch kleinere Rätsel lösen und vor allem Kämpfen. Greifen uns Feinde
an, so wird in Echtzeit gekämpft. Jetzt schwingen wir unsere Waffen und
setzen unsere speziellen Fähigkeiten ein. Unsere Partymitglieder
unterstützen uns natürlich im Kampf. Ihnen dürfen wir sogar
Verhaltensbefehle geben. Die Hauptarbeit in einem Kampf liegt allerdings bei
uns und so dürfen wir unser ausschweifendes Kampfsystem mit Kombotechniken
nutzen. Dabei wird in leichte und schwere Angriffe unterschieden. Hinzu
kommen die diversen Kombinationsmöglichkeiten, das Kontern oder das
Einsetzen von unserer Flöte. Unseren Partymitgliedern darf man außerdem
spezielle Aktionen zuteilen. Hierdurch kann man Kombos verketten oder
spezielle Angriffe ausführen. Wer in den Kämpfen die nötige Zeit findet,
darf viele unterschiedliche Varianten ansetzen um seine Feinde
auszuschalten. Leicht ist das allerdings nicht, denn die Kämpfe laufen sehr
hektisch ab. Selbst wenn Ihr das Menü aufruft, um z.B. ein Item einzusetzen,
läuft der Kampf weiter. Weiterer Schaden ist notgedrungen die Folge. Durch
die Auseinandersetzungen sammeln wir genretypische Erfahrungspunkte, wodurch wir noch
stärker werden. Unsere Partymitglieder werden übrigens ebenfalls belohnt und
so entwickeln sie sich immer weiter. Das gilt auch für die Mitglieder die
nicht aktuell in unserer Gruppe sind. Der Spieler muss daneben auch noch
zusehen, dass er seine Leute mit guten Ausrüstungsgegenständen versorgt. So
erkunden wir nun die diversen Umgebungen, die von Wüsten über Wälder bis hin
zu Höhlen reichen, kämpfen gegen viele unterschiedliche Gegner, lösen
kleinere Aufgaben, bauen unsere Truppe immer weiter auf und genießen die
vielen Filmeinspielungen.
Technik:
Mit der Grafik kann man nicht ganz zufrieden sein. Da wären zum einen die
Umgebungen, die nur selten wirklich gut aussehen. Meistens erblicken wir
detailarme Levelabschnitte die mit hässlichen Texturen versehen wurden. Auch
die Gegner wurden nicht gerade ansehnlich modelliert. Unsere Spielfiguren
bzw. Partymitglieder kommen da schon besser rüber. Sie sehen nicht nur nett
aus, sondern sie wurden auch ordentlich animiert. An kleinere Effekte hat
der Hersteller dann auch noch gedacht. Vor allem bei den Kämpfen werden
diverse Lichtspielereien eingespielt. An kleinere Slowdowns müsst Ihr Euch
allerdings gewöhnen. Das Leveldesign ist ebenfalls nicht Perfekt. Oftmals
agieren wir in sehr linearen Umgebungen. Dann werden wir in großen frei
erforschbaren Umgebungen geworfen, in denen man sich fast verläuft. Der
Sound ist insgesamt in Ordnung. Eine stimmungsvolle Musik begleitet das
Geschehen und diverse Soundeffekte werden immer passend eingespielt. Hinzu
kommen gute englische Synchronsprecher, die den Charakteren ordentlich Leben
einhauchen. Etwas unverständlich ist allerdings, warum manchmal Gespräche
nicht vertont wurden. Negativ ist dann noch, die nicht vorhandene
Lokalisation. Leider ist das komplette Spiel in englischer Sprache gehalten.
Wer der Sprache nicht mächtig ist, wird leider nicht viel von der
ansprechenden Story mitbekommen. Man hätte diesen Spielern zumindest
deutsche Untertitel spendieren können. Die Steuerung selber ist schnell
erlernt. Die Menüs sind übersichtlich und unsere Spielfigur führt direkt
unsere Anweisungen aus. Als störend haben wir allerdings empfunden, dass im
Kampf weiter auf uns eingedroschen wird, wenn wir das Menü aufrufen. Mal kurz
ein Item einwerfen klappt nur selten. Die Kamera hätte man ebenfalls besser
machen können. Ständig ist man damit beschäftigt diese auszurichten. Vor
allem im Kampf kann das sehr hektisch werden oder dazu führen, dass wir die
Gegner aus dem Auge verlieren. Der Schwierigkeitsgrad ist ganz angenehm.
Wahlweise darf man das Spiel auf unterschiedlicher Stufe spielen und so
werden Anfänger genauso gefordert wie Genrekenner. Erwähnen müssen wir auch
noch, dass das Spiel auf zwei DVDs ausgeliefert wird. Mitten im Spiel muss
dann die DVD ausgewechselt werden. Das macht man allerdings nur einmal und
schon darf man ungestört bis zum Ende weiterspielen.
Fazit:
Infinite Undiscovery ist ein nettes Rollenspiel, was allerdings nicht zu den
Topgames des Genres gezählt werden kann. Das liegt an vielen Punkten. Etwas
dürftig ist zum einen die Grafik, die dem aktuellen Standard doch ein wenig
hinterher hinkt. Außerdem ist das Leveldesign etwas mager und eine
Lokalisierung mit zumindest deutschem Untertitel wäre auch ganz nett
gewesen. Im Spiel selber stören dann noch die langen Laufwege und die
hektischen Kämpfe. Vor allem, dass man nicht in Ruhe sein Menü aufrufen
darf, nervt mit der Zeit. Allerdings hat das Game auch viele gute Seiten.
Die vielen Charaktere haben uns genauso gefallen, wie die toll inszenierte
Story. Auch das Kampfsystem macht grundlegend Spaß, wenn die Kamera
mitspielt. Nett sind auch die unterschiedlichen Aufgaben, die wir in dem
Spiel erledigen sollen. Hierdurch wird das Gameplay immer interessant
gehalten. Schade, dass die Spielzeit - je nach Spielweise - mit gut
fünfundzwanzig bis dreißig Stunden etwas kurz ausgefallen ist. Wer also eine
gute Story mit überraschenden Wendungen bei einem Rollenspiel genauso mag,
wie ein ordentliches Echtzeitkampfsystem, der darf gerne bei Infinite
Undiscovery zuschlagen. Zwar ist nicht alles Perfekt bei dem Spiel, dennoch
kann es einen gut am Bildschirm binden. Selbstverständlich solltet Ihr der
englischen Sprache mächtig sein um die Story zu verstehen. Uns hat das Game
recht gut gefallen und daher können wir auch eine Kaufempfehlung
aussprechen.
Features:
- Direkte und indirekte Kontrolle über den Helden und die 4-Mann-Party
- Beeindruckende 3D-Grafik im typischen tri-Ace-Stil (Valkyrie Profile 2)
- Nahtloser Übergang von Erforschung, Kampf und Zwischensequenzen