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Einleitung:
Das Adventuregenre ist in
letzter Zeit sehr begehrt bei Herstellern und Spielern. Fast jeden Monat kommt
ein Genrevertreter nach dem anderen auf den deutschen Markt. Jetzt ist es
mal wieder so weit, denn Xider Games/Daedalic bringt das Micro
Applications-Spiel Experience 112 in den Handel. Entwickelt wurde das Game
von dem französischen Entwicklerstudio Lexis Numérique, die durch Memoriam
bekannt wurden. Fans von Klassischen Point-'n'-Click-Adventures müssen sich
allerdings festhalten, denn das Game geht ganz neue Wege. Wir konnten uns
die fertige PC-Version jetzt ausgiebig ansehen. Ob sich das Spiel für altgediente Computerabenteurer lohnt,
erfahrt Ihr in unserem Test.
Zum Spiel:
Ein Adventure kommt notgedrungen nicht ohne eine Story aus. In Experience112
lüftet der Spieler die Geheimnisse eines im Pazifik gestrandeten Schiffes.
Lea Nichols, die einzige Überlebende eines Forschungsteams ist auf dem
Schiff gefangen und wir sind ihre einzige Chance. Der Spieler hat die
Kontrolle über ein mächtiges Überwachungssystem - drehbare Kameras sind
unsere Augen auf dem Schiff. Gemeinsam mit Lea erforschen wir diesen
düsteren Ort, ohne miteinander sprechen zu können. Wir müssen das Vertrauen
von der jungen Heldin gewinnen, um Lea an zahlreichen Hindernissen vorbei zu
führen. So dringen wir immer tiefer in das Computersystem vor - und
entdecken die Wahrheit, die unser gemeinsames Schicksal bestimmen wird.
Bevor wir allerdings in das etwas andere Computerabenteuer starten, wollen
wir erst einmal ganz von vorne anfangen. Nachdem das Spiel installiert und
gestartet wurde, erscheint das obligatorische Hauptmenü. Hier findet Ihr die
Punkte "Neues Spiel", "Weiterspielen", "Spiel laden", "Optionen" und
"Bonus". Unter zu letzt genannten Punkt findet der Spieler nette Extras wie
Bild, Sprache und Musik - die wir in dem Spiel freigeschaltet haben. Wie
gewohnt kann man dann noch unter Optionen alle spielrelevanten Einstellungen
vornehmen. Um in das Game zu gelangen, kann man unter "Weiterspielen" zurück
in ein bestehendes Spiel gehen, unter "Spiel laden" einen bestehenden
Spielstand aktivieren oder über "Neues Spiel" ein gleichnamiges komplett neu
beginnen. Beginnt man Experience112, so folgt erst einmal ein einführender
Film. Anschließend erblicken wir über unseren Bildschirm bzw. einem kleinen
Fenster Lea Nichols, die gerade aufwacht. Wir befinden uns auf einem
verrottenden Schiff, das an einer Küste gestrandet ist. Später werden wir
übrigens auch noch andere Orte zu sehen bekommen. Langsam und behutsam
werden wir nun an das Spiel und die Steuerung gewöhnt. Hierdurch lernt man
die vielen Bereiche gut kennen und so kann man direkt in das Abenteuer
einsteigen. Die anfängliche Hilfe ist auch notwenig, denn Genrefans müssen
sich in Experience 112 komplett umstellen. Anstatt die Hauptfigur direkt zu
lenken, nehmen wir als stiller Beobachter an ihren Handlungen teil. Ganz
tatenlos müssen wir allerdings nicht zuschauen, denn schließlich haben wir
alles in unserer Hand. Die Handlungen von Lea sehen wir über unzählige
Kameras bzw. Fenster auf einem Desktop, die wir separat über eine Karte
aktivieren können. Lea bewegt sich dabei eigenständig im Schiff und wir
haben keine direkte Steuerung über diese Figur. Zu Beginn sind unsere
Handlungsmöglichkeiten recht eingeschränkt. Viel mehr als die drei möglichen
Kameras separat zu drehen und Lampen oder andere Sachen an- oder ausschalten
können wir nicht. Diese Handlungen machen wir ebenfalls über die
Übersichtskarte, durch einfaches klicken auf das entsprechende Symbol.
Darauf reagiert Lea, denn sie merkt schnell, dass wir durch unsere
Aktivierungen die Aufmerksamkeit auf bestimmte Gegenden lenken wollen. An
einem Ort angekommen, trifft sie selber ihre Entscheidungen bzw. führt
eigenständig Aktionen aus. Auf unserer Arbeitsfläche kann man aber noch mehr
machen. Wir dürfen zum Beispiel Türen öffnen, Codes eingeben oder in Dateien
nach wichtigen Hinweisen suchen. Lea findet mit der Zeit noch diverse
Upgrades die unsere Möglichkeiten erweitern. Hierdurch kann man dann mit den
Kameras zoomen und Nachtsicht bzw. Wärmebilder aktivieren. Das war bei
weitem noch nicht alles. Hin und wieder finden wir auch Roboter die
bestimmte Aufgaben erfüllen sollen. Diese steuert der Spieler dann über eine
separate Fernbedienung. Damit wir bei den ganzen Aktionen nicht überfordert
werden, gönnt man uns viele kleine Hilfestellungen. Zum einen finden wir
alle Dialoge in einer speziellen Datei. Außerdem können wir Lea um Hilfe
bitten oder uns die aktuellen Ziele anzeigen lassen. So lassen wir Lea -
durch unsere Mithilfe - die Umgebung erkunden, lösen kleinere Aufgaben und
folgen der ansprechenden Story. Diese wird immer wieder durch kleine Filme
stimmungsvoll vorangetrieben.
Technik:
Die Grafik kann auf ihre Art voll überzeugen. Nicht nur, weil wir immer
wieder toll inszenierte Filme erblicken. Im eigentlichen Spiel bzw. über die
Kameras werden wir außerdem viele Räume zu sehen bekommen, die überseht sind
mit Details. Es macht wirklich Spaß mit der Kamera herumzufahren und sich
die einzelnen Umgebungen über diverse Blickwinkel anzusehen. Dabei hat der
Hersteller es verstanden, eine düstere Stimmung aufkommen zu lassen. Durch
interessante Lichtspiele wirkt alles sehr atmosphärisch. Die Figuren sehen
ebenfalls ordentlich aus. Sie wurden gut modelliert. Allerdings wirken deren
Animationen etwas steif. Wirklich störend ist das aber nicht. Daneben werden
wir noch viele Fenster erblicken, die weder überladen noch unaufgeräumt
sind. Man findet sich schnell mit diesen zurecht. Alles wirkt stimmig und so
kann man dem Spiel wunderbar folgen. Mit dem Sound kann man ebenfalls gut
leben. Die deutschen Synchronsprecher machen ihre Arbeit wirklich gut und so
lauscht man gerne den diversen Dialogen. Vor allem unsere Heldin wurde gut
besetzt. Kein Wunder, denn Ranja Bonalana verleiht der Hauptdarstellerin Lea
ihre bekannte Stimme. Die erfahrene Synchronsprecherin vertont u.a.
Inselheldin Kate Austen aus Lost. Daneben werden wir noch einer
stimmungsvollen Musik lauschen, die das Geschehen wunderbar untermalt. An
unzählige Ingamegeräusche hat der Hersteller auch gedacht und so entsteht
ein wunderbares düsteres Ambiente. Allerdings müssen wir auch erwähnen, dass
die Soundabmischung hin und wieder sehr chaotisch ist. Urplötzlich wird
während einer Sprachausgabe viel zu laut Musik eingespielt. Man bekommt kaum
noch etwas vom gesprochenen mit. Ein anderes Mal, wenn unsere Heldin etwas
sagt, klingt alles plötzlich dumpf. Die Kamera ist diesmal kein Problem, da
man diese - wie nicht anders zu erwarten war - komplett selber steuert.
Allerdings ist es ein wenig nervig, ständig den optimalen Blickwinkel zu
suchen. Daher schaltet man andauernd zwischen den Kameras hin und her und
richtet diese dann noch permanent aus. Man muss aber dazu sagen, dass es
anders auch kaum gehen würde. Zum Glück verharrt die Figur permanent an
einer Stelle, so dass wir genügend Zeit haben, uns auf die neue Situation
einzustellen. Das bringt uns auch schon zur Steuerung. Diese ist eigentlich
ganz in Ordnung. Wir agieren grundsätzlich mit der Maus. Mit dieser können
wir dann die Fenster auf unserer Arbeitsfläche öffnen bzw. schließen, Tasten
drücken oder die Kamera oder Karte bewegen. Wahlweise darf man aber auch
vieles über die Tastatur machen. Diese Art in einem Spiel zu agieren, ist
selbstverständlich gewohnheitsbedürftig. Mit der Zeit kommt man aber immer
besser mit den Fenstern zurecht und so kann jede Aktion sehr schnell
ausgeführt werden. Etwas nervtötend ist einzig, dass wir ständig
auftauchende Fenster bewegen, verschieben oder schließen müssen. Man ist
wirklich permanent mit irgendetwas beschäftigt und das, obwohl wir gar nicht
die Figur lenken. Einzig wenn es darum geht Maschinen zu steuern, greift der
Spieler direkt in das Spiel ein. Wirklich leicht ist das agieren mit den
widerspenstigen Robotern aber nicht, denn sie bewegen sich oftmals wie ein
Lastwagen. Der Schwierigkeitsgrad ist dagegen sehr angenehm. Es gibt immer
wieder kleinere mehr oder weniger schwierige Aufgaben. Da wir aber genügend
Hilfestellungen im Spiel bekommen, kann man diese recht schnell lösen. Fasst
man nun alles zusammen, so kann man mit der Technik - trotz kleinerer
Kritikpunkte - durchaus zufrieden sein.
Fazit:
Experience 112 ist wirklich ein komplett anderes Adventurespiel. Man muss
dem Hersteller Mut zusprechen, dass er so einen Weg geht. Unterm Strich
merkt man aber, dass man auch so ein spannendes Spiel machen kann. Von der
ersten Spielminute an wird man wirklich an den Bildschirm gefesselt. Das
Zusammenspiel zwischen uns und Lea klappt wunderbar, denn sie bezieht uns
ständig in ihre Handlungen mit ein. Wir sind aber nicht nur zum zuschauen
verdammt. Immer wieder müssen wir die Heldin über Kartenicons indirekt lenken, was zum Teil ein wenig nervig ist.
Das liegt hauptsächlich an der unübersichtlichen Karte. Auch das träge Handeln von Lea
verlangsamt das Gameplay ordentlich. Es ist aber auch klar, das eine Person
nicht sofort fliegt, nur weil wir ein Licht an oder ausschalten. Wenn man
ein Spiel so aufzieht, muss man halt manche Kompromisse eingehen. Das Game
kann vor allem durch die nette Story, die gute Präsentation und das düstere
Ambiente überzeugen. Dafür muss man sich mit einer nervigen indirekten
Steuerung und einem lahmen Gameplay auseinandersetzen. Auch bei den
Rätselaufgaben hätte man sich ein wenig mehr gewünscht. Spaß macht
Experience 112 aber trotzdem. Endlich traut sich ein Hersteller mal etwas
komplett anderes zu machen. Wer also aktuell ein spannendes Adventuregame spielen möchte, der sollte schnell zum
nächsten Händler eilen.
Features:
- Neuartiges Aventure mit beklemmender Mystery-Story
- Atmosphärische Echzeit-3D Grafik
- detaillierte Räume mit vielen Licht- und Schatteneffekten
- Innovatives Gameplay: Interagieren Sie mit Lea Nichols über ein mächtiges
Computersytem
- Gewinnen Sie das Vertrauen der Spielfigur um gemeinsam die Geheimnisse des
Spiels zu lüften!
- Tolle Lokalisierung mit der Stimme von Kate Austen aus LOST
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