Echtzeitstrategiespiele,
die im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind, gibt es mittlerweile wie Sand am
Meer. Um die Massen wirklich anzusprechen, müssen Hersteller sich schon enorm
anstrengen. Relic Entertainment versucht jetzt das Genre mit dem viel
versprechenden Strategiespiel Company of Heroes ordentlich aufzumischen. Mit
Titeln wie Warhammer 40.000: Dawn of War und dem Add-On Dawn Of War - Winter
Assault bewies das preisgekrönte Entwicklerstudio schon mehrmals, das sie
gute Games herstellen können. Wir konnten uns das neuste THQ-Spiel jetzt
ausgiebig ansehen. Ob das Strategiespiel den Genrethron besteigen kann und
ob sich eine Anschaffung lohnt, erfahrt Ihr in unserem Review.
Zum Spiel:
Natürlich werden wir nicht grundlos in den Zweiten Weltkrieg geschickt. Wir
schreiben das Jahr 1944. Die Ereignisse in Europa haben einen kritischen
Punkt erreicht. Die Kontrolle über Frankreich ist der Schlüssel zum Sieg,
und die Alliierten planen die Ausführung einer der wichtigsten militärischen
Offensiven der modernen Welt: Codename Operation Overlord. Der Plan ist
simpel - Infanterie aus der Luft und vom Boden, aus den Vereinigten Staaten,
Kanada, Großbritannien und anderen Ländern. Damit will die alliierte
Kriegsmaschinerie in Frankreich einfallen, den Deutschen die Kontrolle
wieder abnehmen und nach Berlin weitermarschieren, um den Krieg zu beenden.
Aber die Dinge laufen nicht ganz nach Plan. Bevor wir uns auf das
Schlachtfeld begeben, fangen wir erst einmal ganz von vorne an. Nachdem das
Spiel installiert und gestartet wurde, erscheint das Hauptmenü mit den
Menüpunkten "Tutorial starten", "Kampagne", "Kampagne fortsetzen",
"Gefecht", "Mehrspieler" und "Optionen". Wie gewohnt kann man unter Optionen
alle spielrelevanten Einstellungen wie Steuerung, Grafik und Sound
vornehmen. Die wichtigste Spielart ist ohne Zweifel die Kampagne. Dazu
gleich aber mehr. Unter "Kampagne fortsetzen" kann der Spieler dann noch
eine Einzelspielerkampagne wieder aufnehmen und zwar an dem Punkt, wo er
zuvor gespeichert hat. Nett ist auch der Spielmodus Gefecht. Hier darf der
Spieler auf vielen verschiedenen Mehrspielerkarten gegen computergesteuerte
Feinde Gefechte austragen. Wer lieber gegen menschliche Spieler antritt,
darf dieses unter dem Menüpunkt Mehrspieler machen. Online oder über ein
Netzwerk (LAN) sind diverse Mehrspielerduelle möglich. Am Anfang bietet sich
natürlich erst einmal das Tutorial an. Hier werden uns das Spiel und die
Steuerung in kleinen Schritten beigebracht. Haben wir den Übungsbereich
durchlaufen, kann man sich getrost in das eigentliche Hauptspiel begeben.
Bei der Kampagne sollen wir nun das Kommando über die Able-Kompanie, in
ihrem Kampf gegen die Achsenmächte in der Normandie, übernehmen. Das ganze
wird passend durch einen stimmungsvollen Film eingeleitet. Diese
Filmeinspielungen inkl. deutscher Sprachausgabe werden wir übrigens häufig
zu sehen bekommen. Somit wird zum einen die Story immer wieder
vorangetrieben und zum anderen eine sensationelle Stimmung aufgebaut. Ohne
bildgewaltigen Ansporn werden wir in keine Mission geschickt. Toll ist dabei
auch noch, dass wir direkt aus den Filmen in das Spiel starten. Besser hätte
man die Präsentation nicht gestalten können. Wir starten nun in unsere erste
Mission - Invasion in der Normandie. Grundlegend ist das Spiel recht einfach
aufgebaut. Es gibt strategisch wichtige Wegmarken und Sektoren. Durch das
Erobern von Wegmarken erlangt der Spieler Kontrolle über einen Sektor. Je
mehr Sektoren wir kontrollieren, desto mehr Ressourcen stehen uns zur
Verfügung. Außerdem können wir
hierdurch Aktualisierungen für Gebäude kaufen. In dem Spiel gibt es drei
Ressourcen: Arbeitskraft, Munition und Treibstoff. Je nachdem welche Punkte
wir auf der Karte erobern, erhalten wir - über eine bestimmte Zeit - die
entsprechenden Ressourcen gutgeschrieben. Diese kann der Spieler dann
einsetzen um frische Einheiten nachzukaufen. Außerdem dürfen wir damit auch
angeschlagene Verbände auffüllen oder Reparaturen durchführen. Hinzu kommt,
dass der Akteur seine Einheiten mit besseren Waffen und Ausrüstungen
ausstatten kann.
Ist ein Ressourcenpunkt erobert, sollte man diesen mit einem
Beobachtungsposten sichern. Hierdurch wird es dem Gegner erschwert, diese
zurück zu erobern. Damit wir den Überblick nicht verlieren, steht eine
Minikarte und eine taktische Karte zur Verfügung. Diese zeigt alle Sektoren
und Rohstoffpunkte übersichtlich an und so kann man schon im voraus seine
Aktivitäten planen. Treffen unsere Truppen auf Widerstand, so feuern sie
automatisch auf die Feinde. Der Spieler kann zusätzlich Kommandos geben wie
z.B. Granaten oder Sprengstoff schmeißen. Hierdurch sind
Maschinengewehrnester oder eingenommene Gebäude kein Problem. Damit unser
Schaden nicht zu groß wird, sollte man seine Soldaten immer in Deckung
schicken. Eine Anzeige macht schnell deutlich, wo eine Deckung stark oder
schwach ist. Klicken wir einen Ort an, so bewegen sich unsere Soldaten
automatisch um diesen Bereich herum und gegebenenfalls suchen sie auch
Schutz vor heran fliegenden Kugeln. Wir müssen also nicht jeden einzelnen Soldaten
positionieren. Grundlegend bewegen sich die Jungs auch in kleinen Truppen.
Diese bestehen aus mehreren Figuren, die auch unterschiedliche Fähigkeiten
besitzen können. Das war natürlich noch nicht alles. Einige Einheiten können
durch Beförderung und Veteranenstatus verbessert werden. Hierdurch werden
sie noch effektiver und schlagkräftiger. Außerdem gibt es ein "Kommandant
der Kompanie-System". Schaltet der Spieler feindliche Einheiten, Gebäude
oder Fahrzeuge aus, werden ihm Erfahrungspunkte gutgeschrieben. Mit diesen
darf man später neue Fähigkeiten nutzen. Gebäude spielen ebenfalls eine
wichtige Rolle. Davon gibt es reichlich in dem Spiel. Vom Hauptquartier über
Beobachtungsposten, Baracken, Waffenforschungszentrum, Panzerdepot bis hin
zum Nachschublager ist alles vorhanden. Hinzu kommen grundlegende Bauten wie
Stacheldraht, Sandsäcke, Panzerfallen, Minen, medizinische Station oder
Maschinengewehrstellungen. Hierdurch darf der Spieler zum einen vieles bauen
bzw.
weiterentwickeln und zum anderen auch wunderbar seine eroberten
Gebiete absichern. Bei den Einheiten wurde ebenfalls nicht gespart. Durch
Pioniere, Schützen, Ranger, Fallschirmjäger, Scharfschützen, schwere
Maschinengewehr- und Mörsertruppen kann man auf unterschiedliche Art
und Weise ein Problem aus dem Weg schaffen. Das gleiche gilt für Fahrzeuge
und Geschütze, die man frei bewegen darf. Panzerabwehrgeschütze, Jeeps,
Transportfahrzeuge und diverse Panzer lassen jedes Soldatenherz höher
schlagen. Selbstverständlich haben die Achsenmächte ebenfalls schlagkräftige
Truppen, die man vor allem im Mehrspielermodus gerne in Anspruch nimmt.
Leider gibt es keine deutsche Kampagne und so kann man die andere Seite
nicht im Storymodus spielen. So agieren wir nun mit unseren Truppen in den
sehr anspruchsvollen Levels und versuchen unsere Haupt- und Nebenaufgabe
taktisch klug zu lösen. Nett dabei ist auch noch, dass es in einer Mission
viele Wendungen gibt. Es wird also immer wieder eine Überraschung geben. Wer
von der Kampagne genug hat, darf sich außerdem noch ausgiebig mit den
anderen Spielarten bzw. dem Mehrspielermodus beschäftigen. Spielt Ihr gegen
einen menschlichen Gegner so kommt natürlich der ganz große Spielspaß auf.
Technik:
Die Optik haut einen förmlich vom Hocker. Selten hat man in einem
Strategiespiel eine so detailreiche Grafik gesehen. Jeder Flecken sieht
realistisch aus und so bewegt man sich gerne in den großen Arealen. Neben
den vielen Details und den scharfen Texturen, kann auch die üppige
Vegetation überzeugen. Bäume und Sträucher sehen genauso phantastisch aus,
wie die unzähligen Effekte. Vor allem bei Rauch und Explosionen möchte man
gar nicht mehr wegsehen. Das war natürlich noch nicht alles. Daneben werden
wir auch noch gut modellierte und animierte Figuren zu sehen bekommen.
Ebenso ansprechend sehen die diversen Fahrzeuge und Gebäude aus. Auch hier
hat der Hersteller auf jedes Detail geachtet. Daneben gibt es noch eine
tolle Physikengine. Vieles in den Levels wie Gebäude, Bäume oder Mauern
lassen sich zerstören und so wird die Umgebung pompös in die Kampfhandlungen
mit einbezogen. Es sieht einfach bombastisch aus, wenn Granaten einschlagen,
Gebäude zusammenfallen oder Fahrzeuge in ihre Einzelteile zerlegt werden.
Das ganze wird dann noch fast Kinoreif mit vielen kleinen Filmeinspielungen
zusammengehalten. Da alles sehr spannend vorgetragen wird, kann man sich
kaum vom Monitor lösen. Zur phantastischen Atmosphäre trägt
selbstverständlich auch der Sound bei. Realistische Ingamegeräusche und eine
passende Musik erfreuen immer wieder unsere Gehörgänge. Hinzu kommen gute
deutsche Synchronsprecher, die den Spielfiguren Leben einhauchen. Die Kamera
ist ebenfalls in Ordnung. Zu jeder Zeit haben wir alles im Blick und so
verliert man nie den Überblick. Sehr einfach ist auch die Steuerung, die
sich stark am Standard orientiert. Habt Ihr schon einmal ein Strategiespiel
gespielt, so werdet Ihr alle Aktionen sicher ausführen können. Hinzu kommen
übersichtliche Menüs und ein selbsterklärendes Interface. Außerdem wird man
perfekt - durch das tolle Tutorial - in das Spiel eingeführt. Somit kann man
recht schnell in das Spielgeschehen einsteigen. Selbst
bei der KI kann man kaum etwas aussetzen. Feindliche aber auch eigene
Soldaten verhalten sich äußerst realistisch. Truppen gehen bei Beschuss
direkt in Deckung und ist die Übermacht zu groß, treten sie eigenständig den
Rückzug an. Außerdem haben sie immer eine kleine Überraschung auf Lager und
so machen selbst Gefechte gegen den Computer sehr viel Spaß. Der
Schwierigkeitsgrad ist ebenfalls ausgewogen. Am Anfang kann man die
Missionen recht leicht lösen. Mit der Zeit werden die Aufträge immer
schwieriger und so werden selbst Genrekenner ordentlich gefordert. Da der
Anstieg allerdings sehr human verläuft und man stetig dazulernt, wird jeder
mit den gestellten Aufgaben klar kommen. Fasst man nun alles zusammen, so
kann die technische Seite voll überzeugen.
Fazit:
Relic hat mit Company of Heroes den Genrethron locker bestiegen. Noch nie
sah ein 2. Weltkriegsstrategiespiel so gut aus. Was hier auf dem Monitor
gezaubert wird, sucht seines gleichen. Bombastische Effekte, gepaart mit einer
realistischen Umgebung und detaillierten Einheiten, machen aus dem Spiel ein
wahres Grafikfeuerwerk. Hinzu kommt ein Sound und eine Physikengine, die den
Bildschirm förmlich zum Beben bringt. Allerdings kann das Spiel nicht nur
technisch überzeugen. Company of Heroes zeigt auch beim Gameplay kaum
Schwächen. Dank einer guten KI und spannenden Missionen macht selbst das
Kämpfen gegen einen CPU-Gegner sehr viel Spaß. Dazu tragen natürlich auch
die dichte Atmosphäre und eine unglaubliche Spannung bei - die permanent hoch
gehalten wird. Habt Ihr dann vom Einzelspielerbereich die Nase voll, könnt
Ihr Euch auch im Mehrspielerbereich so richtig auslassen. Schlachten gegen
menschliche Spieler machen selbstverständlich noch mehr Freude und so kann
man sich in diesem Bereich über Wochen mit dem Spiel beschäftigen. Wer also
Echtzeitstrategiespiele mag, muss sofort sein Sparschwein schlachten und zum
nächsten Händler eilen. Spielt Ihr Company of Heroes nicht, so werdet Ihr
einen Meilenstein der Spielgeschichte verpassen. Da uns das Spiel total
begeistert hat, können wir ohne Einschränkungen eine Kaufempfehlung
aussprechen.
Features:
- Strategie in einer dynamischen Umgebung: das Echtzeit-Physiksystem und
eine komplett zerstörbare Umgebung sorgen dafür, dass die Kämpfe immer
wieder anders verlaufen!
- Realistisches Verhalten der Soldaten: eine fortschrittliche KI lässt die
einzelnen Soldaten des Squads lebendig werden, wenn sie die Umgebung nutzen,
um Angriffe zu planen oder Deckung zu suchen!
- Mehrspieler-Modus für 2-8 Spieler über LAN oder Internet!