Fans von Echtzeitstrategiespielen bekommen
neues Futter, denn Atari bringt das Spiel Aggression: Reign over Europe auf
den deutschen Markt. Diesmal werden wir in die Zeit der Weltkriege von 1910
bis 1950 geschickt. Entwickelt wurde das Game übrigens von dem russischen
Entwickler Lesta. Wir konnten uns jetzt die fertige PC-Version ausgiebig
ansehen. Ob sich das Spiel für Möchtegerngeneräle lohnt, erfahrt Ihr in
unserem Test.
Zum Spiel:
Aggression: Reign over Europe ist ein Echtzeit-Kriegsstrategiespiel mit
historischem Kontext und leichten Rollenspielelementen. Der Spieler
übernimmt die Rolle des politischen Führers von Russland, Großbritannien,
Frankreich oder Deutschland. Ihr trefft wichtige Entscheidungen in einer
kritischen Phase der europäischen Geschichte - der Zeit der Weltkriege von
1910 bis 1950. Es liegt an uns, in unserem Kampf um die Position der
mächtigsten Nationen Europas der Geschichte entweder zu folgen oder sie zu
verändern. Bevor wir allerdings die Macht ergreifen, wollen wir erst einmal
ganz von vorne anfangen. Nachdem das Spiel gestartet wurde, erscheint ein
einführendes Intro. Es folgt das Hauptmenü mit den Punkten Tutorial,
Kampagne, Missionen, Laden und Einstellungen. Wie gewohnt kann man unter zu
letzt genannten Punkt die spielrelevanten Optionen anpassen. Wer einen
bestehenden Spielstand hat, der darf diesen außerdem unter Laden aktivieren.
Am Anfang bietet sich für jeden das Tutorial an. Hier wird uns eine kurze
Übersicht über die Steuerung und die Möglichkeiten im Spiel gegeben. Kommen
wir nun zu den Spielarten. Da wäre zum einen der Missionsmodus. Hier gibt es
sechs Einzelschlacht-Szenarien, die man frei auswählen darf. Viel
interessanter ist die Kampagne. Aggression: Reign over Europe bietet gleich
vier einzelne Kampagnen an, jeweils für die einzelnen Länder Russland,
Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Jede Nation hat seine eigenen
Stärken und Schwächen, mit denen man klar kommen muss. Nachdem wir eine
Nation ausgesucht haben, kann es endlich losgehen. Das Ziel jeder der vier
Kampagnen ist es, Europa zu erobern, bevor die Zeit abläuft. Wir müssen
dabei alle Städte auf der Europakarte einnehmen um zu gewinnen.
Der Spieler agiert grundlegend auf der Übersichtskarte bzw. Europakarte.
Diese zeigt den kompletten Kontinent, der in diverse Territorien aufgeteilt
ist. Die Gebiete gilt es nun zu erobern, um am Ende die Herrschaft über ganz
Europa zu erlangen. Das schaffen wir vor allem mit militärischen Mitteln.
Allerdings kann man auch die Diplomatie einsetzen um an sein Ziel zu kommen.
Schließlich gibt es nicht nur die vier Hauptmächte, sondern daneben auch
noch weitere Staaten wie Österreich oder Spanien. Es gilt Bündnisse zu
schließen um Vorteile daraus zu ziehen. Allerdings haben unsere
Entscheidungen immer Auswirkungen auf andere Nationen. Der Spieler muss also
immer abwägen, was das Beste für seine Nation ist. Wichtig ist dann auch
noch die Wirtschaft. Nur mit genügend finanziellen Mitteln, können wir
eine mächtige Streitmacht aufbauen. Dementsprechend treiben wir Handel,
errichten Gebäude und kümmern uns um die einzelnen Provinzen. Auf den
Lebensstandard und die Zufriedenheit unseres Volkes sollen wir dann auch
noch achten. Immer wieder treten neue Situationen auf, denen wir uns stellen
müssen. Das war noch nicht alles. Auch unsere politische Gesinnung und die
Wahl von kompetenten Führungsleuten sind von Bedeutung. Außerdem dürfen wir
unseren Anführern Berufe zuordnen, die entsprechende Fähigkeiten einbringen.
Wie in einem Rollenspiel kann man diese dann noch aufbauen. Kommt es nun zu
einer Schlacht, so wird in den Schlachtmodus gewechselt. Jetzt agieren wir -
wie in einem Strategiespiel üblich - mit diversen Truppen in Echtzeit auf
dem Schlachtfeld. Wir sollen unsere Truppenteile taktisch klug platzieren
und ziehen um den Feind zu besiegen. Die Schlachten selber sind aber wenig
spaßig, denn der Hersteller hat auf vieles verzichtet. So gibt es keine
Reparatureinheiten oder Truppen die aktiv in die Umgebung eingreifen. Ihr
dürfen z.B. keine Stellungen bauen oder Hindernisse aus dem Weg räumen.
Zumindest gönnt man uns viele unterschiedliche Einheiten. Von Flugzeuge über
Panzer, Artillerie bis hin zu Bodentruppen ist alles vorhanden. Einzig den
Einsatz von Schiffen vermisst man ein wenig. Wer jetzt glaubt, dass man das
wunderbar mit anderen menschlichen Spielern spielen kann, der irrt sich
gewaltig. Leider wurde kein Mehrspielermodus eingebaut und so müssen wir uns
mit Computergegnern begnügen.
Technik:
Die Grafik ist ein zweischneidiges Schwert. Hauptsächlich agieren wir auf
einer etwas drögen Karte. Bis auf ein paar Bäumen, Personen und Gebäuden
werden wir nur wenig zu sehen bekommen. Einzig kleinere Animationen erfreuen
unser Auge. Hinzu kommen viele Menüs, mit denen man sich auseinandersetzen
muss. Bei den Gefechten wird die Optik ein wenig besser. Wirklich vom Hocker
haut einen die Grafik aber nicht. Die Bodentexturen sind matschig und
wirklich detailliert sehen die Truppen auch nicht aus. Zumindest gönnt man
uns viele Objekte wie Flüsse, Gebäude und Bäume die zum Teil sogar animiert
wurden. An kleinere Effekte wie Explosionen hat der Hersteller dann auch
noch gedacht. Der Sound ist leider auch nicht viel besser. Zwar ist eine
stimmungsvolle Musik vorhanden, diese wiederholt sich allerdings immer
wieder. Eine Sprachausgabe ist leider nicht vorhanden und so muss man alles
über kleine Texte nachlesen. Zufrieden kann man dann mit den
Gefechtsgeräuschen sein. Die Motoren klingen z.B. recht authentisch.
Allerdings werden andere Soundeffekte viel zu leise eingespielt. Kommen wir
nun zur Steuerung. Grundlegend kann man alles mit der Maus machen. Das
klappt auch recht gut. Schade nur, dass wir uns mit sehr kleinen Menüs und
einem unübersichtlichen Interface auseinandersetzen müssen. Eine Katastrophe
ist leider die KI. Unsere Einheiten haben nicht gerade eine optimale
Wegfindung. Hinzu kommt, dass unsere Truppenteile erst gar nicht reagieren,
wenn Feinde auf sie zu kommen. Eine wirklich künstliche Intelligenz bei den
Gegnereinheiten ist auch nicht vorhanden, denn sie machen eigentlich kaum
etwas Überraschendes. Somit sind die Kämpfe oft langweilig und nicht
sonderlich schwer. Fasst man nun alles zusammen, so kann man mit der
technischen Seite nicht wirklich zufrieden sein.
Fazit:
Aggression: Reign over Europe hat wirklich gute Ansätze. Man kann eine
Nation in Bereichen wie Wirtschaft, Handel, Diplomatie usw. beeinflussen und
die Schlachten in Echtzeit austragen. Leider gibt es aber viele kleine
Kritikpunkte. Die Steuerung ist viel zu umständlich und auch bei der Grafik
hätte man sich mehr anstrengen können. Die KI der eigenen aber auch
gegnerischen Truppen trübt dann selbst den Strategiepart mächtig ein. Das wäre
ja noch akzeptabel bzw. zu verschmerzen, wenn man gegen menschliche Spieler
antreten könnte. Leider hat der Hersteller auch auf dieses Feature
verzichtet. Man kann nur hoffen, dass viele nervige Punkte durch einen Patch
bald behoben werden. Wer also gerne komplexe Echtzeitstrategiespiele mit
einem großen Handlungsspielraum mag und mit diversen Problemen leben kann,
der darf gerne bei dem Spiel zuschlagen. Sind Eure Erwartungen nicht zu
hoch, so werdet Ihr ein paar Stunden mit dem Game verbringen können. Leider
hat uns das Spiel nicht wirklich vom Hocker gehauen und so können wir
Aggression: Reign over Europe nur frustresistenten Genrefans ans Herz legen.
Features:
- Die Geschichte zwischen 1910 und 1950 wird neu geschrieben!
- Der Spieler kann seinen Nachbarn den Krieg erklären oder einen Weltkrieg
durch diplomatische Aktionen komplett vermeiden.
- Spezielle taktische Karte für die Planung der Schlachten.
- Die Kontrolle des wachsenden Imperiums erfolgt in Echtzeit auf der
Strategischen Karte, wo auch Diplomatie, Wissenschaft und Industrie
kontrolliert werden.
- Jeder Spieler kann seinen eigenen Spielstil finden - alles ist möglich!
- Über 200 historische Charaktere stehen für die Kampagnen zur Auswahl und
können völlig frei in verschiedene Klassen eingeteilt werden (z.B. Albert
Einstein als Spion um Feinde zu infiltrieren).
- 6 verschiedene Klassen: Wissenschaftler, Wohltäter, Anführer, Generäle,
Spione und Minister
- Explosive Echtzeitstrategie-Gefechte mit komplett zerstörbaren Umgebungen
und realistischer Physik-Engine.
- Historisch korrekte Einheiten und Waffen, deren Entwicklungszeitpunkt frei
gewählt werden kann, sogar vor ihrem historischen Ursprung.