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Gewalt & Videospiele-Report

 

Liebe Konsolen-World Leser,

Man hätte vor noch kurzer Zeit nicht daran geglaubt, daß diese an sich im Multimediabereich schon reichlich behandelte Thematik nochmals derart an Brisanz gewinnen würde.

Doch lange nach dem brutalen Massaker an einer Schule in Littleton in Amerika im April 1999 ist das uns Videospielern so verhaßte Thema leider wieder einmal aktueller als jemals zuvor:

Vor drei Jahren war es noch ein für uns in Deutschland unvostellbares Horrorszenario als die Schlagzeile lautete:

Videospiele und Computerspiele animierten zwei jugendliche Amokläufer in Amerika mit dem schrecklichen Resultat von 15 Toten und 24 Schwerverletzten.

Doch dieses Massaker aus den USA ist längst in Vergessenheit geraten durch den aktuellen Amoklauf in Erfurt.

 

Hier noch einmal die Fakten:

Ein der Schule verwiesener Schüler des Erfurter Gutenberg Gymnasiums erschießt am Ort seines Schulversagens 16 Menschen - neun Lehrerinnen, vier Lehrer, eine Schülerin, einen Schüler sowie einen Polizisten - und richtet sich anschließend selbst hin. "Vorbilder" für diesen in Deutschland beispiellosen Gewaltexzess hat es vor allem in Amerika genug gegeben. Beim Columbine High-School-Massaker, in der Santana High School nahe bei San Diego
(Clockwork America), aber auch bereits 1996 in Dunblane/Schottland töteten Amokläufer Schüler und Lehrer.

Der Täter im martialischen Ninja-Look agierte mit Pump-Gun und Handfeuerwaffe, nicht viel anders als es Steve McQueen in Peckinpahs The Getaway oder Schwarzenegger im "Terminator" vorführten. Amerikanische Jagdszenen also in Erfurt, wie sie Deutschland so noch nicht gesehen hat. Kein Wunder, dass es für die New York Times und Washington Post die Spitzenmeldung des Tages war, obwohl Nachrichten aus Deutschland dort ansonsten Mangelware sind.

Noch bevor die Hintergründe zum Täter vorlagen, sahen nicht nur Vertreter von Jagd- und Sportgemeinschaften ein Kernproblem im illegalen deutschen Waffenmarkt, der aus osteuropäischen Ländern beliefert wird. Inzwischen hat die Polizei allerdings preisgegeben, dass der 19-jährige Robert S. als Mitglied eines Schützenvereins zwei Waffenscheine besaß. Er hat die Mordwerkzeuge völlig legal erworben.

Ist es mehr als ein singuläres Ereignis? Lässt sich das Massaker auf eine irre geleitete Täterpsyche reduzieren? Eine Schülerin berichtet, der Täter habe den Wunsch geäußert, dass er berühmt werden wolle. Wissen wir dadurch sehr viel mehr über das gesellschaftliche Gewaltpotenzial? Die Medien sind schuld, die Gesellschaft ist schuld, die Eltern sind schuld, der Täter ist schuld. Irgendeiner ist immer schuld, wenn die aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein verdrängte Gewalt sich in einer Form zeigt, die deshalb so unheimlich ist, weil man sie nicht kalkulieren oder in die Statistiken wegräumen kann. Gewaltexzesse diesen Zuschnitts passen nicht zu der gesellschaftlich akzeptierten Gewaltausübung. An Verkehrstote oder Terrorbekämpfung sollen wir uns gewöhnen, aber ein Einzelner, der das staatliche Gewaltmonopol provoziert, besitzt vermeintlich gefährlichere Dimensionen.

Die gesellschaftliche Verarbeitung des im Deutschland der Nachkriegsgeschichte beispiellosen Massakers läuft jetzt auf Hochtouren. Konfliktforscher, Psychologen, Politiker werden an die mediale Front geworfen, um mit ihren schnellen Rezepturen zugleich gegen voreilige Schlüsse zu warnen. Die Jagdszenen aus Erfurt werden im Wahlkampf das Thema "Innere Sicherheit" zusätzlich aufheizen, als ob dieses Thema wirklich politisierbar wäre.

Aber davon lässt sich auch ein Herr Stoiber nicht beeindrucken, der mit einem generellen Gewaltverbot in Computerspielen auf Stimmenfang gehen will:



Als Reaktion auf den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt spricht sich Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber für ein Verbot von Gewaltdarstellungen in Computerspielen aus. Auf einer Landesdelegiertenversammlung seiner Partei in München sagte der CSU-Chef, die Gesellschaft brauche dringend eine Diskussion über Akzeptanz und Nachfrage von Gewalt und größere Intoleranz gegenüber deren Verherrlichung.

Uwe Wetter vom Berufsverband Deutscher Psychologen erklärte, Gewaltdarstellung in Fernseh- und Videoprogrammen sowie auf dem Computer konditioniere potentielle Täter. Das Training durch Videospiele schaffe zusätzliche Schießkompetenz, so der Psychologe Bernd Jötten. Polizeipsychologe Adolf Gallwitz vertritt die Ansicht, die Beschäftigung mit Gewalt und Rache werde gefördert durch Computerspiele oder Filme, gegen Amokläufer gebe es jedoch keinen 100-prozentigen Schutz. Schüler und Lehrer sollten vielmehr auf Hinweise achten, die es häufig vor einem Amoklauf gebe und diese Tat zum Anlass nehmen, über Gewalt und Konfliktbewältigung zu sprechen und mehr Verantwortung für einander zu übernehmen.

Return to Castle Wolfenstein, Countestrike und andere 3D-Ego Shooter, die von uns in unserer Freizeitgespielt werden seien damit mit schuld an dem Massaker in Erfurt.

Mit diesem Aufhänger macht es sich die Öffentlichkeit aber wieder einmal zu einfach. Die Thematik ist viel zu komplex, als sie mit einer solchen populistischen Schlagzeile richtig zu erfassen.

Gewaltspiele sind niemals grundsätzlich aggressionsfördernd, denn sie können vielmehr auch kompensierend wirken, indem sie den Spieler nach einem anstrengenden Arbeitstag Entspannung bieten. Auch die Wissenschaft ist sich uneins über die aggressionsfördernde oder aggressionshemmende Wirkung von Gewaltspielen.

Aber weil einige wenige Spieler nun einmal die etwas härteren Spieler nich verkraften, gibt es bei uns in Deutschland ein sehr kompliziertes Regelungswerk, was die Bewertung und Einstufung solcher Spiele angeht.

 

Folgende Organisationen sind für eine Spielebewertung von Bedeutung:

USK                                                                         

„USK“ bedeutet Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle.

Sie ist ein unabhängiges Organ und begutachtet seit ca. acht Jahren hauptsächlich Computer- und Videospiele, d.h. sog. „interaktive Medien“.

Die Gutachter sind ehrenamtlich tätig und setzen sich aus Jugendarbeitern, Pädagogen usw. zusammen. Die Titel, die vom VUD (Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland e.V.) eingereicht werden, werden dann von drei Gutachtern beurteilt, was sich die USK bezahlen läßt. Seit 1994 hat die USK bereits tausende Titel geprüft, und heute hat so gut wie jedes Spiel einen USK-Aufdruck.

USK: www.usk.de

Auf der Homepage der USK lassen sich alle Bewertungen abrufen. Interessant für Gamer ist hierbei, dass unter USK18 auch viele jetzt indizierte Titel zu finden sind, da die USK Bewertung ja jeweils vor einer Indizierung der BPjS stattfindet.

Egal jedoch was man von derartigen Bewertungen auch halten mag: Der USK ist ein Höchstmaß an Objektivität zu bescheinigen, denn noch nie wurde ein Titel indiziert, der von der USK vorher nicht bereits mit „nicht geeignet unter 18 Jahren“ bewertet wurde.

Von allen Spielen, die von der USK bewertet wurden sind nur ca. 5% mit „nicht geeignet unter 18 Jahren“ eingestuft.

Damit muß man der Videospielbranche ein gutes Zeugnis ausstellen und bestätigen, daß  die Selbstüberwachung durch die Spieleindustrie sehr gut funktioniert.

 

VUD                                                                            

VUD bedeutet Verband der Unterhaltungssoftware Deutschland e.V. .

In diesem Verband sind nahezu alle Spielehersteller enthalten. Der VUD ist die Lobbyorganisation der Softwareindustrie. Er vertritt deren Interesen gegenüber Presse, Gesetzgeber usw.

In der letzten Zeit setzt er sich auch verstärkt zur Bekämpfung der Raubkopierszene ein.

Dabei arbeitet er stark mit der GVU (Gesellschaft zur Verfolgung Urheberrechts) zusammen.

Die GVU kann man unter: www.gvu.de besuchen

Auch der VUD macht sich für die Wahrung des Jugendschutzes stark.

Der Hintergrund ist, dass indizierte Titel in Deutschland sehr schlecht für das Geschäft sind. Viele Kaufhausketten nehmen USK 18er Titel schon gar nicht mehr in das Programm, weil diese u.U. bei nachfolgender Indizierung in den Schubladen verschwinden müßten und die Verkäufer mit den dann strengeren Verkaufsmodalitäten überfordert wären (vgl. „Folgen einer Indizierung“). Nach Erfurt kann man sicher sein, dass sehr viele 18er Titel aus den Verkaufsregalen einfach entfernt werden obwohl sie nicht indiziert sind.

 

BPjS

BPjS bedeutet Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften.

Es ist gesetzlich geregelt, dass hierbei auch andere Medien den Schriften gleich stehen, und damit auch Computer- und Konsolenspiele von dieser Institution bewertet werden können.

Diese Behörde wird nicht von selbst tätig, sondern nur wenn ein Jugendamt in Deutschland einen Antrag einreicht. Daher kommt es auch vereinzelt vor, daß sehr gewalttätige ältere PC-Spiele wie z.B. „BLOOD 2“ (im Unterschied zum Vorgänger) oder auch „REQUIEM“ nicht indiziert sind, weil einfach keine Jugendbehörde einen Indizierungsantrag eingereicht hat. Jetzt nach Erfurt kann man allerdings sicher sein, dass die Jugendbehörden sich vor den Anträgen aufgebrachter Bürger nicht mehr retten werden können.

Einmal monatlich prüft dann ein 12-köpfiges ehrenamtliches Team, ob die eingereichten Spiele indizierungswürdig sind. Gerade jetzt nach Erfurt wird dieses Gremium noch sehr viel zu tun bekommen.

 

Wichtig ist zu wissen, dass nur die BPjS indizieren kann.

Das Gremium muß mit mindestens einer 2/3 Mehrheit entscheiden, daß ein Titel indiziert wird.

Die 12 Personen die über eine Indizierung im geheimen Kämmerlein beraten sind:

Die Vorsitzende Frau Monssen-Engberding (unter Computerspielern nicht sonderlich beliebt),

drei Vertreter der Länder und sog. Beisitzer aus den Bereichen Kirche,  Schule, Kunst, Literatur usw.

Der überwiegende Teil des Gremiums ist schon weit über dreissig Jahre alt und hat eigene Kinder.

Für aktive Spieler ist es auch wenig nachvollziehbar, dass diese Personen in der Regel zum Computerspielen überhaupt keinen persönlichen Bezug haben.

 

Die Folgen einer Indizierung sind:

Es ist wichtig zu wissen, dass der Besitz indizierter Spiele nicht verboten ist. Auch dürfen volljährige Personen indizierte Spiele ohne Einschränkungen käuflich erwerben.

Die Folgen sind lediglich:

-     keine Werbung für das Spiel

-     es muß aus allen Verkaufsflächen entfernt werden

-     es darf in Zeitschriften nicht mehr besprochen werden

-     der Verkauf erfolgt unter dem Ladentisch an Volljährige gegen         Altersnachweis (womit der Durchschnittsverkäufer bereits überfordert ist)

-     indizierte Titel dürfen selbst gegen Personalausweiskopie im Versandhandel nicht mehr verschickt werden

 

Sobald eine Indizierung im Bundesanzeiger veröffentlicht ist, treten die oben genannten Folgen in Kraft.

Geld- und Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr drohen dem, der dagegen verstößt.

Aber die mögliche Indizierung eines Titels bewirkt auch eine an sich verfassungswidrige mittelbare Vorzensur:

Ein Konsolen-Magazin kann es sich ebensowenig wie ein PC-Magazin leisten über ein Spiel zu berichten, das in Kürze wahrscheinlich auf dem Index landet .

Denn selbst wenn die Indizierung erst erfolgt ist nachdem das Heft längst am Kiosk ausliegt, kann dieses jetzt von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt werden.

Kein Zeitschriftenhersteller kann es sich finanziell leisten, daß seine ganze Auflage beschlagnahmt wird.

Sollte dies häufiger passieren, könnte dies sogar zum Aus für ein Blatt aus wirtschaftlichen Gründen führen.

 

Der Gesetzeswortlaut, der die Grundlage für eine Indizierung ist:

„ Jugendgefährdend ist etwas, wenn es unsittlich ist, verrohend wirkt, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhaß anreizt oder den Krieg verherrlicht.“

Bei der Gewalt wird weiter danach differenziert, ob sie gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen (z.B. die Zombies in Resident Evil 2) ausgeführt wird und wie stark sie im Vordergrund steht.

Seit etlichen Jahren bemühen sich die Spielehersteller bereits im Vorfeld durch diverse „Schönheitsoperationen“ am Spiel einer drohenden deutschen Indizierung und den damit verbundenen finanziellen Einbußen zu entgehen:

So begegnen einem in der deutschen. Turokversion z.B. Roboter im Urwald, Lara blutet in Tombraider III violett, was nichts mit ihrer Blaublütigkeit  zu tun hat, bei Command & Conquer 1 wird schwarz geblutet.

Im PC-Bereich sind die Veränderungen häufig noch frappierender, ja teilweise möchte man den Programmierern sogar eine gewissen Sarkasmus aufgrund der vorgenommenen Veränderungen unterstellen:

Im dt. Half-Life setzen sich angeschossene Wissenschaftler hin und wackeln mit dem Kopf bevor sie dahinscheiden, auch wird klinisch rein (ohne Blut) gestorben.

 

Annex aus aktuellem Anlaß

Nach Erfurt kann man sich jetzt erstmals sicher sein, dass es die Politik diesmal wohl nicht nur bei blossen Appellen belassen wird. Allerdings ist ein deutscher Alleingang was eine Gewaltfreiheit in Videospielen angeht eine blosse Makulatur, wenn man berücksichtigt, dass sich heute jeder Schüler mit einem DSL-Anschluss die brutalsten Spiele aus dem Internet downloaden kann. Tatsache ist jedenfalls, dass das Grundübel nicht die Computerspiele und Gewaltfilme sind. Jene Medien sind nur Ausfluss und Spiegelbild einer immer aggressiveren und egoistischeren Gesellschaft. Aber für die Politik ist es einfacher ein paar Spiele zu verbieten, um damit Wähler für die Stimmabgabe zu ködern. Weitere Psychopathen wie einen Robert Steinhäuser aus Erfurt werden sie mit solchen Schnellschüssen allerdings nicht verhindern können.

  

So liebe Konsolen-World Leser, das war es wieder einmal.

Wir können uns für unser schönes Hobby nur wünschen, dass die Politik wie angekündigt jetzt massvoll zu Werke geht und nicht jedes Spiel verbieten lässt, was auch nur ansatzweise eine Gerwalttendenz zeigt und alles nur, um billig an Wählerstimmen zu kommen.

Unsere Wählestimmen, d.h. die Stimmen der Spieler-Community werden sie damit allerdings nicht kaufen können.

In diesem Sinne

Wir treffen uns im Forum auf www.konsolen-world.de

 

Euer GameHunter

 

 

 


 

 

 

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